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UKJazznews Musiktipp: Ancient Infinity Orchestra – „It’s Always About Liberation“

Von Andrew Taylor-Dawson. Das in Leeds ansässige Kollektiv Ancient Infinity Orchestra – das zu jedem Zeitpunkt aus 14 bis 16 Musikern besteht – hat sich zu einem faszinierenden festen Bestandteil des Gondwana-Records-Künstlerstamms entwickelt.

Unter der Leitung des Kontrabassisten und Komponisten Ozzy Moysey beruht die Anziehungskraft der Band auf einem ausgeprägten Gespür für Melodien und klangliche Experimente sowie auf ihrer unverwechselbaren Instrumentierung. Zu ihrer Bläsergruppe gehören Saxophone, Trompete, Flöten, Klarinetten und – was recht ungewöhnlich ist – die Oboe von Khemi Shabazz. Ergänzt wird dies durch fingerfertige Klavierläufe, funkelnde Harfenklänge und eine Fülle von Percussion-Instrumenten. Die Freude an ihrer Musik entspringt dem gemeinsamen Schaffen.

It’s Always About Liberation ist für sich genommen bereits eine wunderschöne klangliche Reise – aber es ist vor allem auch ein Gegenstück zu It’s Always About Love aus dem Jahr 2025. Während das Vorgängeralbum eine beruhigende Wirkung hatte, wirkt dieses Album unruhiger und ein wenig düsterer. Die Idee, zwei Alben zu schaffen, die fast wie Spiegelbilder voneinander wirken, kam Moysey, als er bei einem Festival eine Improvisationsperformance der Sängerin und Befreiungsdichterin Moor Mother sah. Während sie am Mikrofon freestylede, intonierte sie die Zeile „It’s Always About Love – it’s always about liberation“. Die Performance und die Worte hatten eine tiefgreifende Wirkung auf ihn und lieferten einen konzeptionellen Ankerpunkt für dieses zweiteilige Projekt.

Der Opener „Nafas“ führt den Hörer sanft in das Album ein – mit seinen reichhaltigen, melodischen Streicherstimmen und der funkelnden Harfe, die einer wandernden Melodie Platz machen, in der sich das gesamte Ensemble entfalten kann.

Beim Anhören des zweiten Titels und der Lead-Single „Akshay“ vermittelt das Stück sofort den Eindruck einer Elegie – bedingt durch die melancholische Melodie und den fast folkigen Charakter der Streicherstimmen. Tatsächlich ist es eine Widmung an einen jungen Mann, der viel zu früh verstorben ist. Die emotionale Intention des Stücks kommt in Moyseys wunderbarer Komposition perfekt zum Ausdruck. Im Verlauf des Stücks wird eine Mbira – eine Art afrikanisches Daumenklavier – neben dem Klavier eingesetzt und sorgt für einen wunderschönen Effekt. In der Mitte des Stücks sind die schilfartigen Töne der Oboe eine hervorragende Bereicherung des Stücks.

An anderer Stelle wirkt „Triton“ wie ein Symbol für die Themen des Albums – Kampf und die Überwindung von Widrigkeiten –, da angespannte, dissonante Passagen einer erhebenden Melodie und einem innewohnenden Gefühl kollektiver Zielstrebigkeit weichen, während ein Chor wortlose Gesänge beisteuert.

Zwar fügt sich das Ancient Infinity Orchestra in gewisser Hinsicht nahtlos in das unverwechselbare zeitgenössische Spiritual-Jazz-Oeuvre von Matthew Halsalls Gondwana Records ein – doch gleichzeitig hebt es sich davon ab. Mal entführen einen die Polyrhythmen nach Afrika, mal erinnert eine Passage an traditionelle englische Volksmusik, oder ein Stück greift Elemente der klassischen Komposition des 20. Jahrhunderts auf. Doch all diese vielfältigen und potenziell unvereinbaren Einflüsse fügen sich unter der Leitung von Moysey als Bandleader wunderbar zusammen.

Diese Platte entfesselt zudem eine kraftvollere Seite des Band-Sounds, die sich deutlich von vielen Kompositionen ihrer Labelkollegen abhebt. „Illuminations“ beginnt mit einem Fuß fest im Cool-Jazz-Territorium, verwandelt sich aber allmählich in etwas Freieres, je mehr Instrumente hinzukommen.

Einer der einprägsamsten Momente der Platte ist der Titel „Celebrating the Beautiful Lineage of Sound & Hypnotic States“. Hier lässt die Band über eine Spielzeit von fast acht Minuten ihrer Kreativität freien Lauf. Sie bewegt sich von kollektiver Ekstase zu Beginn des Stücks über ungewöhnliche Rhythmen, die durch stetige Kontrabass-Parts geerdet werden, und krönt das Ganze mit experimentierfreudigen Bläserlinien. Das Stück wird von komplexen Polyrhythmen angetrieben und verwandelt sich in einen gewaltigen kosmischen Rausch, bevor das Ensemble zur Ekstase des Stückbeginns zurückkehrt.

Der Album-Abschluss „Mountain“ wirkt wie eine beruhigende emotionale Auflösung des Albums nach den suchenden und bisweilen unruhigen Kompositionen, die ihm vorausgehen. Durchdrungen von einer unmittelbaren Wärme fühlt es sich wie ein befriedigender Ankunftspunkt am Ende einer Reise an – was es in gewisser Weise auch genau ist.

Ancient Infinity Orchestra bleibt eines der faszinierendsten Projekte im britischen Jazz. Das Etikett „spirituell“ scheint nur teilweise zu ihnen zu passen, da ihre unverwechselbare Besetzung und die musikalische Intention sowohl ihres Bandleaders als auch des Kollektivs ihnen ein breites klangliches Spektrum ermöglichen.

„It’s Always About Liberation“ funktioniert als eigenständiges Album – macht aber neben „It’s Always About Love“ am meisten Sinn. Zusammen bilden sie ein faszinierendes und perfekt umgesetztes Ganzes, das zwar in seiner Intention ähnlich ist, sich jedoch in seiner emotionalen Herangehensweise und Ausführung deutlich unterscheidet.

In einer Zeit, in der heftige Debatten über KI-Musik toben und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche es großen Bands schwer machen, zu überleben, liegt eine ganz besondere Freude in der kollektiven Menschlichkeit und der schieren Kühnheit des Ancient Infinity Orchestra als Projekt.

© UKJazznews, 24.7.2026

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