„Für und wider die Tradition“ Komponist Friedrich Goldmann „
Von Michael Dasche (DFK). An Schönberg komme er eben nicht vorbei, sagte Friedrich Goldmann, und meinte damit seine Traditionsbezogenheit wie auch das Bedürfnis nach einer Erneuerung des Sprachcharakters von Musik. In dieser Woche wäre er 80 Jahre alt geworden.
Je mehr man sich in das Werk Friedrich Goldmanns vertieft, umso evidenter erscheint einem seine prinzipielle Repertoiretauglichkeit. Dieser Befund könnte leicht missverstanden werden: als vergiftetes Lob, als Kritik an einer allzu gefälligen, gelegentlich selbst „schöne Stellen“ nicht aussparenden Klangsinnlichkeit.
Tatsächlich hat sich Goldmann – von frühen Stücken abgesehen – eines rigiden Avantgardismus, auch der Attitüde kommunikativer Verweigerung oder Provokation weitgehend enthalten. Das besagt aber nicht, dass er sich einer avancierten Musiksprache verschlossen hätte. Im Gegenteil: Das Erkunden und Ausloten verborgener Schichten musikalischen Materials kann als ein Grundzug seines Schaffens gelten.
Der Kang, oft reduziert auf den Einzelton und aufgefächert in seine mikrotonalen Strukturen, war für Goldmann der wichtigste dramaturgische Faktor seiner Musik. Er bestimmte letztlich die Formen und Formate seiner Werke, während die Formen ihrerseits in den seltensten Fällen vorgegeben waren.
© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 28.7.2026