Adolphe Sax: Der blecherne Troublemaker
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Eine folgenschwere Erfindung der Musikgeschichte entsprang dem Hirn eines größenwahnsinnigen Belgiers: Adolphe Sax.
An seinen Instrumenten scheiden sich seit jeher die Gemüter.
VON OLIVER KOCH
Unser Heinz spielt heute auf der goldenen Klarinette«, sagt Gurki im Roman »Fleisch ist mein Gemüse« – und moderiert so seinen Mitmusiker an, Nachname Strunk, der mit einem Sopransaxophon auf der Bühne steht. Über 100 Jahre nach Erfindung des Instruments hatte sich noch immer nicht herumgesprochen, dass nicht jedes Saxophon krumm sein muss. Aber mangelnde Kenntnis stand der Urteilsfindung noch nie im Wege: Das Image des Saxophons – der Rotzkanne, wie das Horn auch liebevoll unter Musikern genannt wird – hat über die Jahre gründlich Schaden genommen. Man hat ihm übel mitgespielt. Die schmierigsten Solos von Altrockern in Lederhosen musste es über sich ergehen lassen; es baumelte von den Hälsen sonnenbebrillter Typen in Fußgängerzonen und wurde in so manchem Schmuddelfilmchen immer dann ins Spiel gebracht, wenn es romantisch zur Sache gehen sollte.
Kurioserweise scheint das Instrument schon immer einen schweren Stand gehabt zu haben – seit es dem Hirn eines ebenso größenwahnsinnigen wie genialen Belgiers entsprungen ist, der im Schatten der dörflichen Stiftskirche einen Pakt mit dem Teufel einging….
© Jungle World Nr. 41, 13. Oktober 2016