Aruán Ortiz: „Créole Renaissance“ – Vieldeutige Gestalten
Ein Musiktipp von Hans-Jürgen Linke (FR). Die Renaissance trennte das sogenannte Mittelalter von der sogenannten Neuzeit und dauerte, je nach Region, an die drei Jahrhunderte. Sie wurde erst rückblickend so genannt und mit dem ebenso rückblickenden Etikett einer Neubelebung griechischer und römischer Antike aufgeladen. Diese Renaissance blieb nicht die einzige.
Nach dem Ersten Weltkrieg, also vor gut einem Jahrhundert, entstand in New York die sogenannte Harlem Renaissance, getragen von Zugewanderten aus dem ländlichen Süden der Vereinigten Staaten und inhaltlich geprägt von schwarzen Künstlern, Künstlerinnen und Intellektuellen.
Und nun spielt der afro-cubanische Pianist Aruán Ortiz mit dem Gedanken an eine kreolische Renaissance. Er spielt diesen Gedanken ausführlich durch auf seinem Klavier-Solo-Album „Créole Renaissance“. Wer allerdings bei dem Etikett „afrokubanisch“ an rhythmisch pulsenden Mainstream Jazz denkt, liegt, um das gleich zu sagen, daneben.
© Frankfurter Rundschau, Kultur, Musik, 29.9.2025