Auch böse Menschen haben Lieder
Von Klaus Walter. Kann man den gewalttätigen Musiker von seiner Musik trennen? Und sollte man ein schlechtes Gewissen haben, wenn man es versucht?
Böse Menschen haben keine Lieder“, sang Peter Alexander mit dem sogenannten Volksmund. „The devil has all the best tunes“, erwiderten Prefab Sprout und hatten den besseren Tune. Hat der Teufel die besten Melodien?
„Fuck Richard Wagner /Was für ein verdammtes Monster!“ So beginnt „F*ck Wagner“, die neue Single von Chilly Gonzales, laut Selbstauskunft: „Wahlkölner seit 2012 mit jüdischen Wurzeln, aber auch Fan von Richard Wagners Musik.“ Zur Erklärung zitiert Gonzales den Komponisten mit einem seiner Signatursätze: „Der Jude ist der plastische Dämon des Verfalls der Menschheit.“
Fan von Wagners Musik sein und Zielscheibe seines Antisemitismus, aus diesem Zwiespalt macht Chilly Gonzales einen plakativen Song über Popstars, die es einem schwermachen, ihre Musik (weiter) zu lieben. Zudem ist „F*ck Wagner“ die Fanfare zu einer Kampagne des Kölner Kanadiers. „Ich verspüre Wut und Scham, wenn ich die Richard-Wagner-Straße entlanggehe“, schreibt der Entertainer an die Stadtverwaltung und fordert die Umbenennung in Tina-Turner-Straße.
© Frankfurter Rundschau, Kultur, 07.06.2024