Bandcamp Daily: ! Eine andere Seite von Alan Vega !
Der Grund für dieses sehr lesenswerte (!) Feature von April Clare Welsh ist die Wiederveröffentlichung von Alan Vegas ersten beiden Soloplatten „Alan Vega” und „Collision Drive”. Und diese klingen keineswegs „alt”.
Von April Clare Welsh. 1988 wurde Alan Vega während eines Auftritts mit Suicide in Frankreich von einem Schraubenschlüssel getroffen. Das Ergebnis war eine Verletzung direkt über seinem Auge, die mit 12 Stichen genäht werden musste. „Wäre der Schlag etwas tiefer gewesen, hätte er sein Auge verlieren können“, sagt Liz Lamere, Vegas Witwe und langjährige musikalische Partnerin.
Der Vorfall spiegelt perfekt die notorisch konfrontativen Live-Auftritte der Proto-Punk-Band wider. Im Laufe der Jahre wehrten Suicide – das Duo aus Vega und Martin Rev – bei ihren Live-Auftritten alle möglichen fliegenden Gegenstände ab, darunter auch Äxte. Lamere erinnert sich, dass einmal während eines Auftritts als Vorgruppe für The Cars ein Springmesser an Vegas Kopf vorbeizischte. Es wurde später auf dem Drum-Podest gefunden.
In Wahrheit war Vega in jeder Hinsicht ein widerwilliger Rockstar; als schüchterner, zielstrebiger kreativer Denker und Macher wollte Vega nie im Rampenlicht stehen, fand sich aber irgendwie doch im Mittelpunkt wieder. „Er hätte kein liebevollerer und fürsorglicherer Mensch sein können“, sagt Lamere über den ehemaligen Astrophysikstudenten, der sich der bildenden Kunst zuwandte und 2016 verstarb. Wie sie erzählt, war das Schaffen von Kunst für Vega sowohl eine Zwanghaftigkeit als auch eine Lebenseinstellung. Zu seinen Werken gehörten Zeichnungen, Gemälde, Fundstücke und Lichtskulpturen sowie eine Auswahl experimenteller Klänge und Musik. Oft durchstreifte er die Straßen von New York auf der Suche nach Fundstücken oder Inspiration. „Jedes Medium, das ihm zur Verfügung stand, wurde zu seiner Muse, seiner Leinwand oder dem Material, das er für seine Skulpturen verwendete“, sagt sie.
© Bandcamp Daily, Feature, 23.1.2026