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„Berlin, ein Meer des Friedens“ Hörspiel von Einar Schleef

Hörspiel des Monats August 1985. „Mutter: Was kann die Partei dafür, wenn du Schmerzen hast. Vater: Ich habe die Schnauze voll. So voll. Schmerzen. Ich werde verrückt. Mutter: Ich kann das nicht mehr hören. Wo ist das anders. Such dir den Staat. Die Funktionäre sind überall. Das ist der neue Mensch.“

Die Begriffe sind austauschbar, die Erlebnisse so oder ähnlich, der Feierabend einer Familie in Berlin, Hauptstadt der DDR, den Einar Schleef in seinem Hörspiel beschreibt, unterscheidet sich in seinen Deformationen kaum vom Feierabend einer Familie in Berlin (West). Aggressionen kommen auf zwischen Bier und Salzstangen, zwischen Sportschau und Ein Kessel Buntes. Das aIIabendliche Zusammengesperrt sein vor der fIimmernden Mattscheibe als verzerrtem Abbild des reibungslos funktionierenden Apparates draußen, der in die Freizeit hineinregiert: „Jeden Tag dieselbe Scheiße. Gewerkschaft, Brigadeversammlung, Normenkonferenz, Abendschule, Parteigruppe, Elternaktiv, Schiedskommission. Die Augen tun mir weh.“



„Berlin, ein Meer des Friedens“
Hörspiel von Einar Schleef
Regie: Robert Matejka
Technische Realisierung: Günter Genz
Regieassistenz: Holger Rink
Mit: Angelica Domröse, Otto Sander, Edeltraud Kulikowsky, Anna Momber

Ursendung: 27.08.1985

© rbbKultur, Hörspiel, 3.10.2023

Einar Schleef (1944-2001) war bis 1976 Regisseur und Bühnenbildner in der DDR. Blieb 1976 im Westen. Studierte an der DFFB. War Autor und Theaterregisseur in Westberlin, Westdeutschland und Österreich. Unter vielen Arbeiten: 1980 der Roman „Gertrud“, 2002 das Theaterstück „Nietzsche Trilogie“. Er wurde mit seinen Stücken mehrfach zum Theatertreffen eingeladen und erhielt zahlreiche Preise, u.a. 1995 den Mülheimer Dramatikerpreis, 1989 den Alfred-Döblin-Preis, 1997 den Bremer Literaturpreis, 2001 posthum den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis. „Berlin, ein Meer des Friedens“ wurde 1987 unter dem Titel „Berlin A Sea of Peace“ von der BBC London produziert.

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