Bernd Gürtlers Musiktipp: The Divine Comedy – Rainy Sunday Afternoon / Divine Comedy Records ltd/PIAS
Großbritanniens Tradition der Music Hall gehört zu Land und Leuten wie Schwarztee mit Milch oder Fish & Chips. Hin und wieder zeigt das Phänomen eine Präsenz, dass es auffällt. „Rainy Sunday Afternoon“ von Neil Hannons The Divine Comedy darf als solch ein Moment gelten.
Neil Hannon selbst hält jeglichen Vergleich seiner Band mit der britischen Music Hall eher für unangebracht und verweist auf Scott Walker als wichtigstes Vorbild. Aber war er nicht an „Twentieth-Century Blues: The Songs Of Noël Coward“ beteiligt, einem prominent besetzten Tributealbum für den Übervater der zeitgenössischen Music Hall? Von Noël Coward reichen die Verbindungen bis hin zu den Beatles, den Kinks, den Small Faces, Pink Floyds Syd Barrett, XTC oder Blur. Was ihnen mit Noël Coward gemeinsam ist, sind die zumeist sehr genau gezeichneten, jeweils in konkrete Situationen gestellten Songfiguren, orchestriert im Stil der Rummelplatzmusik oder des Kabaretts. Eigenschaften sämtlichst, die auf The Divine Comedy zutreffen.
© TalkingMusic, 20.9.2025