Best-of oder die Musik des Jahres 2024: Ulrich Bassenge
Ein weiteres Mal ist in diesem Jahr Ulrich Bassenge bei Best-of 2024 dabei und es ist mir eine große Ehre. Viele kennen ihn aus seiner Zeit beim Zündfunk (Bayern2) mit vielen Musiksendungen, die ich aufgesogen habe wie ein Schwamm. Es gab auch seine Radiophon Mixes auf SWR 2 Kultur, aber das ist auch schon Geschichte.
Er ist Musiker, spielte in verschiedenen Bands wie z.B. Sparifankal, Embryo. Aber seine Hauptarbeit, das wesentliche, ist das Hörspiel. Er schreibt selbst Stücke und führt Regie. Die beeindruckende Anzahl seiner Arbeiten kann man in seinem Wiki nachlesen.
Hier ist sein sehr persönlicher Rückblick auf das 2024.
John Stewart: California Bloodlines (1969).
Lee Sklar hat mich auf seinem Youtube-Kanal auf den Autor von „Daydream Believer“ – 40 LPs! – hingewiesen. Mit den meisten Musikern dieses Albums hat Bob Dylan zuvor im selben Studio „Nashville Skyline“ aufgenommen.
Fotheringay: Nothing More – The Collected Fotheringay (2015)
Weil sie eine der besten britischen Folkrock-Bands aller Zeiten bleiben.
Big Star: Keep An Eye On The Sky (2009)
Sie hätten die amerikanischen Beatles sein können. Hätte, hätte, Fahrradkette. Alles von ihnen sollte jede/r/s haben. Sollte, sollte …
Big Star’s Third Live: Thank You, Friends (2017)
… und deswegen wurden sie von einer Horde amerikanischer Alternative-Musiker in einer Allstarbesetzung gefeiert. Besonders schön: das Cover von „13“, gesungen von Skylar Gudasz.
Dan Wilson: Love Without Fear (2014)
Brian Wilson ist überschätzt, Dan Wilson (nicht verwandt oder verschwägert) unterschätzt. Himmlische Stimme, kein schlechter Song, untrüglicher Pop-Instinkt.
Lenny Breau: Cabin Fever (1997)
Keiner hat’s gemerkt, aber er hat die Gitarre neu erfunden.
Soft Machine: Bundles (1975)
Die flüchtige Inkarnation mit Allan Holdsworth , wie ich sie an meinem 18. Geburtstag 1974 live gesehen und meine DNA verdreht bekommen habe. Auch Allan hat die Gitarre neu erfunden, aber anders.
The Disposable Heroes of Hiphoprisy: Hypocrisy Is The Greatest Luxury (1992)
Das beste Oldschool-Hiphop-Album, das keiner gehört hatte. Kommt ohne Schmähungen, Misogynie, Homophobie oder Antisemitismus aus.
The Delines: Colfax (2014)
Country Soul, ein rares Genre. Tiefste Melancholie mit einem Funken Hoffnung; gibt es auch in Romanform.
Marike Van Dijk: The Stereography Project feat. Jeff Taylor and Katell Keineg (2018)
Auch dies ein hybrides Album. Zwei Singer/Songwriter in den kundigen Händen einer großen Arrangeurin.
DOMi & JD BECK: NOT TiGHT (2022)
Leichter ADHS Verdacht, trotzdem ist das die/eine Zukunft des Jazz, egal, was andere Ihnen erzählen.
Toby Driver: Raven, I Know That You Can Give Me Anything (2024)
Dunkler majestätischer Achtzigerjahre Vibe, ein Solitär wie alles von TD und Kayo Dot.
The Dead Tongues: I Am A Cloud / Body of Light (2024).
Wie konnte ich davon nichts wissen? Überlebensgroße Americana, fast hätte ich Dylan, Neil Young oder Springsteen erwähnt. Oder The War On Drugs, die ebenso in der Schuld der drei Vorgenannten stehen.
Magic Tuber Stringband: Needlefall (2024).
War Harry Partch in den Appalachen?
Acronym: The Battle The Bethel & The Ball (2018)
Wenn man H.I.F. von Biber ernst nimmt, kommt eine barocke Jamband raus.
Colin Stetson: The Love It Took To Leave You (2024)
Die Ikone der Zirkularatmung wieder so, wie ich ihn kennengelernt habe: schamanisch und im positiven Sinne raumgreifend.
Victory Over The Sun: Dance You Monster To My Soft Song! (2024)
Black Metal mit Bläsern. Antimaterie. Nicht für jede/n/s
MC 5: Heavy Lifting (2024)
Die Band, die mich mit 11 oder 12 in den sehr harten Rock’n’Roll gestoßen hat. Ohne Warnung, tief und für immer. Das allertraurigste Band-Schicksal wurde 2024 vor dem Erscheinen dieses Albums gekrönt vom Tod der beiden letzten Originalmitglieder. “ … the flame keeps burning on.” – Wayne Kramer.
Billy Strings darf nicht unerwähnt bleiben, aber ihn sehe ich am liebsten live. Er hat das Staffelholz von Jerry Garcia aufgenommen und dem „authentischen“ Bluegrass zugleich eine stilistische Offenheit injiziert, die auf ewig den Staub von diesem wundervollen Genre geblasen hat.
2 lesenswerte Bücher:
Dan Charnas: Dilla Time – The Life and Afterlife of J Dilla, the Hip-Hop Producer Who Reinvented Rhythm
Adrian Whittaker: Be Glad For The Song Has No Ending, revised and expanded edition: An Incredible String Band Compendium