Beth Orton übers Singen: „Musik stärkt meine Gesundheit“
Die britische Künstlerin Beth Orton über das meditative Landleben, Trost am Klavier und Schwierigkeiten beim Hören ihrer eigenen Stimme. Beth Orton im Interview mit Jan Paersch.
taz: Frau Orton, Sie treten gerade in Hamburg auf, gleich nebenan sind Rammstein in einem Stadion. Diese Band spielt jeden Abend ihr Programm exakt in der gleichen Reihenfolge. Wäre das was für Sie?
Beth Orton: Auf keinen Fall. I couldnt fucking bear it. Das zerstört meine Seele. Aber ich fülle auch keine Stadien – das habe ich durch Erfolglosigkeit umgangen. Ich hatte nie ein Hitalbum, muss ergo nie die gleichen Songs spielen. Ich konnte immer das machen, was ich wollte.
Das Resultat: Jedes ihrer Alben klingt anders. Mal nach Folk, mal Pop, ja sogar Country. Ist Ihr neues Werk „Weather Alive“ nun ein Jazz-Album?
Ja. Das Album ist geprägt von dem, was ich in den letzten zehn Jahren gehört habe. Das waren kaum Songs, sondern viel Instrumentals, vor allem Jazz. Ich habe mich selbst weitergebildet; nicht, was das Spielen anging, sondern beim Zuhören. Das ist in den Sound eingesickert und kommt jetzt wieder heraus. Ich wollte schon immer mit Tom Skinner arbeiten, dem Drummer der Jazzband Sons of Kemet.
Wie sind die neuen Songs entstanden?
Ich wusste, welche Musik ich hören wollte, aber ich konnte sie nicht auftreiben! Also musste ich sie selbst komponieren. Ich schrieb die neuen Songs am Klavier, mit simplen Ein- und Zwei-Akkord-Mustern. So sind diese modalen, minimalistischen Songs entstanden.
© TAZ, Kultur, 20.10.2022