„Bezirzungen fürs Ohr“ Zum 80. Geburtstag der Komponistin Viera Janárčeková von Wolfgang Schicker

2010 erhielt die Komponistin Viera Janárčeková ein Jahresstipendium im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg, als Anerkennung für ihr international beachtetes kompositorisches Schaffen.

Bamberg wuchs ihr ans Herz und ist inzwischen ihre Heimat geworden. Im vergangenen Jahr verlieh ihr die Stadt die höchste kulturelle Auszeichnung, den E.T.A. Hoffmann Preis. Am 23. September wird Viera Janárčeková 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass sendet BR-KLASSIK Franken in der Reihe „Horizonte“ ein Porträt der Komponistin und ihres Schaffens. Geboren in der Slowakei, floh Viera Janárčeková vor über 50 Jahren nach Deutschland, wo sie zunächst Asyl und später die Staatsbürgerschaft erhielt. Ihre musikalische Ausbildung hatte sie in Bratislava und Prag absolviert. Bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik traf sie Komponisten wie John Cage, Morton Feldman, Helmut Lachenmann oder Wolfgang Rihm, die ihr wichtige Impulse für ihr Schaffen gaben. Ihre eigene Ausdrucksweise fand sie durch jahrelange Experimente, in denen sie die Klangspektren der Instrumente bis zum äußersten auslotete und sich eingehend mit neuen oder ungewöhnlichen Spieltechniken beschäftigte. Doch geht ihre gestalterische Fantasie weit über die bloße Erkundung der Klänge hinaus, denn nur im Kontext eines geformten Werkes können sie ihre Wirkung entfalten – und das ist ihre große Stärke: ein magisches Gewebe aus Klängen, Kontrasten, Gesten und musikalischen Bezügen zu knüpfen, mal intensiv und eindringlich, mal überschwänglich und leidenschaftlich, und immer wieder auch mit Humor. Der Titel ihres Werkes „Bezirzungen“ bringt auf den Punkt, was die Musik von Viera Janárčeková bei aller Komplexität und Vielschichtigkeit so faszinierend macht: Sie betört und verführt Ohren, Herz und Verstand gleichermaßen.



© BR Klassik, Horizonte, 23.9.2021

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