Buchtipp: „Blues im Ruhrpott“ von Willli Paßmann
Über das Lebensgefühl zwischen Blueskneipe und Kammermusiksaal hat Willi Paßmann in gut drei Jahren rund 500 Seiten geschrieben. Allein die 92 Interviews, die 85 Jahre regionale Musikgeschichte wieder lebendig werden lassen, lohnen den Kauf dieses Buches.

Als Jazz-Fan fand ich die Ausführungen von Willi Paßmann zu den Essener Jazztagen und der Jazz-Szene im Ruhrgebiet in den frühen 1950er-Jahren besonders interessant. In seinem Buch wird auch sehr deutlich, welche Auswirkungen die Idee von J. E. Berendts, das American Folk and Blues Festival nach Deutschland zu holen, hatte.
Alles in allem ist die Arbeit von Willi Paßmann für alle Musikinteressierten jenseits der Hitparaden von unschätzbarem Wert. Auch als Nachschlagewerk ist sie sehr wertvoll. Wer sich dazu noch die passenden Schallplatten oder die Musik im Internet heraussucht, wird viele anregende Tage haben.
Danke an den epubli, die mir ein Leseexemplar zur Verfügung stellten.
Der Blues wurde in den 1970er-Jahren auch im Ruhrgebiet populär. Dieser Entwicklung gingen zwei Jahrzehnte mit Jazz, Beat und Skiffle voraus. Akteure der Szene vermitteln in 92 Interviews Innenansichten aus rund 85 Jahren regionaler Musikgeschichte: Musiker, Konzert- und Festivalveranstalter, Sessionbetreiber, Gastronomen, Produzenten und Journalisten schildern persönliche Eindrücke und lassen Zeitgeschichte lebendig werden.
Erfasst sind weiterhin die Einflussgrößen, welche die Rezeption des Blues beeinflussten, wie Druckerzeugnisse, Radiosendungen, Festivalreihen und Sessions.
Musikgeschichte schrieben die Essener Jazztage 1959, 1960 und zuletzt 1961, gefolgt von den Essener Songtagen 1968 und den Essener Pop & Blues Festivals 1969 und 1970. Dann die American Folk and Blues Festivals und die bis heute bei vielen unvergessenen Rockpalast- Nächte!
Bis heute bestehen Festivalreihen, die teilweise auf eine Geschichte von bis zu mehr als 30 Jahren verweisen können. Diese Entwicklungen werden nachvollziehbar geschildert, sie bilden einen wichtigen Teil der kulturellen Identität dieser Region.
Zwei separate Kapitel beleuchten die musikalischen Entwicklungen im Ruhrgebiet der 1950er-Jahre (Jazz) und in den 1960ern (Skiffle und Beat). Neben den Schilderungen und den Interviews geben drei Anhänge jeweils einen Überblick zu Bands, Locations und Line-ups von Festivals. © Texte: Presse