„Cruel Country“ Die US-Band Wilco hadert mit dem Zorn der Zärtlichkeit

Verzweiflung und Hoffnung, Country und Nation: Die aus Chicago kommende Gruppe und ihr spektakuläres Album „Cruel Country“. Von Karl Fluch.

Mit gleich 21 Titeln ist es schon vom Umfang her so etwas wie ein Opus magnum. Andererseits ist es nicht das erste Doppelalbum, das die US-Band Wilco in ihrer bald 30-jährigen Geschichte veröffentlicht hat, das Format stemmen sie locker.

Die aus Chicago kommende Gruppe hat eben das Album Cruel Country veröffentlicht. Dafür bleibt sie mit einem im Folkrock verwurzelten Gestus nah am Country dran, wenngleich nicht die Countrymusic gemeint ist. Oder nur selten: als eine Sprache und Übersetzung für die Phänomene, die die USA für den Songwriter und Gitarristen Jeff Tweedy bereithalten.



So wie sich in Tweedy Hoffnung und Verzweiflung als Untermieter seines Gemüts abwechseln, machen sich auch im Land Dinge breit, die ihm und seiner Band Sorgen bereiten. Man muss nur an die Nachrichten aus Uvalde in Texas denken, und man ist im Thema. Es lautet: Wie erträgt man das Leben in einem Land, das gleichzeitig wunderschön und obszön brutal und rückständig ist. Ein Land, in dem Menschen mit Gotteseifer ungeborenes Leben schützen möchten, gleichzeitig akzeptieren, dass 19 Volksschüler ermordet werden, denn bewaffnet durch die Gegend zu rennen ist schließlich ein Grundrecht.




© Der Standard, Kultur, 3.6.2022

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: