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Filmtipp: Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel

Die Geschichte des japanischen Soldaten Hiro Onoda, der den Zweiten Weltkrieg auf der philippinischen Insel Lubang bis in die 1970er-Jahre weiterführte, wird als packendes Abenteuerdrama von großer Faszinationskraft gezeigt. Kritik von Ulrich Kriest/Filmdienst.

Die Geschichte des Nachrichtenoffiziers Leutnant Hiro Onoda beruht auf Tatsachen. Für den japanischen Offizier endete der Zweite Weltkrieg erst 1974, als er sich auf der philippinischen Insel Lubang ergab und die Waffen niederlegte.



Onoda, wollte eigentlich Pilot werden, litt aber unter Höhenangst. Die angebotene Alternative als Kamikaze-Pilot lehnte er aber auch ab. Was seinen Vorgesetzten zu der Überzeugung bringt, dass Onoda nicht sterben möchte. Genau diese Einstellung jedoch prädestiniert ihn zum Einsatz in der geheimen Kriegsführung, bei der es gerade darum geht, nicht zu sterben. Weil dies allerdings der japanischen Mentalität des Soldatischen entgegensteht, die den Heldentod des Kamikaze verehrt, soll der einzige Ruhm der geheimen Kriegsführung in der Integrität bestehen. Onoda wird Teil einer Elitetruppe, die für den Guerillakrieg ausgebildet wird und allein den Befehlen des Ausbilders verpflichtet ist.




Allerdings ist die „geheime Kriegführung“ längst nicht mehr geheim, sondern verstärkt gibt es Bemühungen seitens der Behörden und der Familie, einen Kontakt zum Kämpfer herzustellen, um ihm den Lauf der Dinge zu kommunizieren. Was Onoda selbstredend für Feind-Propaganda hält und wohl auch halten muss. Trotzdem erlebt er durch Zeitungen, Radio und Ansprache gewissermaßen den Einzug des Nachkriegs-Japans in die westliche Kultur, Rock’n’Roll und Mondlandung als verstörendes Schattenspiel, dessen Codes er nicht zu dechiffrieren weiß….

„Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“ ist gerade auch aufgrund seiner wohl kalkulierten Länge von 169 Minuten ein verstörender, aber zugleich auch ein faszinierender, ja geradezu packender Film, der klar vor Augen führt, was Werner Herzog an dem Stoff interessieren musste.


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