Das Ensemble Music Negativa – Eine Retrospektive (1/3) „Music before Revolution“ Teil 1 Von Florian Neuner

1969 rief der Komponist Rainer Riehn Musiker zusammen, um Werke von John Cage und Dieter Schnebel einzuspielen. Es war die Geburtsstunde des Ensembles Musica Negativa, eines der ersten Spezialensembles für Neue Musik im deutschsprachigen Raum.

Der Name war von Theodor W. Adorno inspiriert, und mit Riehns Lebengefährten Heinz-Klaus Metzger hatte einer der profiliertesten und streitbarsten Musiktheoretiker seiner Zeit Einfluss auf die Programme, die Partei ergreifen wollten: für eine experimentelle Musik mit gesellschaftsveränderndem Anspruch.

Eine Schallplattenbox trug denn auch den programmatischen Titel „Music before Revolution“. Dem Ensemble gehörten Musiker vor allem aus Deutschland und der Schweiz an, unter ihnen Hermann Danuser, Michael Dietz, Christoph Keller und Frank Wolff. Vor allem in den siebziger Jahren sind zahlreiche Rundfunkaufnahmen entstanden.

Das Ende der Musikgeschichte

Gegründet wurde das Ensemble Musica Negativa nicht zuletzt, um die Musik der New York School durchzusetzen. John Cage war für Metzger und Riehn der zentrale Komponist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in seinen seine „Variations I“ sah Metzger gar das „konzipierte Ende der Musikgeschichte“.

Aber auch mit den graphischen Partituren von Morton Feldman und Christian Wolff beschäftigte sich das Ensemble Musica Negativa eingehend. Die letzten Konzerte fanden 1992 zu Ehren von John Cage statt, der kurz vor seinem 80. Geburtstag starb.

© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 6.8.2020

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