„Denkgang mit Schildkröte“ Das Passagen-Werk – Walter Benjamins dialektische Feerie
Straßen und Warenhäuser, Panoramen und Weltausstellungen, Mode, Prostitution und Reklame: Im Passagen-Werk hat Walter Benjamin eine literarische Zauberwelt erschaffen und in dieser glasbedeckten Welt zugleich die Signatur der Moderne entdeckt. Zum Tausch- und Gebrauchswert ist dabei bis heute der Inszenierungswert getreten. Thomas Palzer flaniert durch diese dialektische Feerie.
„Die durchs Veralten entwertete Dingwelt spürt Benjamin in den Passagen auf, um sie auf ihr subversives Potential hin zu untersuchen – und zu demonstrieren, dass die Flohmärkte uneingelöste Versprechen speichern und an die Gegenwart weitergeben. Und in genau diesen unabgegoltenen Ansprüchen an die Gegenwart, die im Veralteten gespeichert sind, liegt für Benjamin die revolutionäre Kraft des vom Surrealismus wiederentdeckten Ephemeren und Verstaubten. Darum versteht sich Benjamin auch als materialistischer – und als messianisch gestimmter Historiker, da seiner Auffassung gemäß gilt, ‚… dass nichts, was sich jemals ereignet hat, für die Geschichte verloren zu geben ist‘. Zentral für diesen historischen Messianismus ist, dass ein bestimmter, geschichtlicher Moment plötzlich erstarrt und dem Betrachter in seiner Signatur entgegentritt – etwa als jene alte Schatulle oder dieser alte Regenschirm hier. Oder im Altern der Eisenbahnen. Darin liegt die Magie der Dinge: im Jetzt der Erkennbarkeit, wo die Dinge ihre wahre, surrealistische Miene aufsetzen.“
Thomas Palzer
Denkgang mit Schildkröte
Das Passagen-Werk – Walter Benjamins dialektische Feerie
Von Thomas Palzer
Mit Thomas Palzer, Steven Scharf, Hans-Georg Panczak
Regie: Thomas Palzer
BR 2017, 55’18