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Der coolste Konzertfilm aller Zeiten: “Jazz an einem Sommerabend“ von Bert Stern

Es gibt Abende, da ist ein ganzes Land mit sich Reinen. Der Fotograf und Filmemacher Bert Stern hat diesen Augenblick 1958 beim Festival in Newport festgehalten. Nun kommt sein Dokument wieder ins Kino – und zeigt die verlorene Unschuld. Von Josef Engels.

„Jazz an einem Sommerabend“, der 85-minütige Ertrag jenes unbeschwerten Wochenendes rund um den Unabhängigkeitstag 1958, ist weder ein Werbefilm noch eine Dokumentation – obwohl Elemente von beidem durchaus erkennbar sind. So wechseln sich Konzertmitschnitte der Jazz-Prominenz von Gerry Mulligan über Anita O‘Day bis Louis Armstrong mit inszenierten und teilweise viel später gedrehten Einstellungen ab – lässige Bilder von juvenilem Partyvolk, das auf einem Dach tanzt, oder Aufnahmen einer Dixieland-Band, die ihre Faxen auf einer Kindereisenbahn macht. „Jazz an einem Sommerabend“ will nichts erklären, nichts überhöhen, sondern einfach nur im Moment sein. Es geht um das ungefilterte Porträt eines Lebensgefühls, vielleicht auch einer Utopie.



Was Sterns Film neben seinen ästhetischen Qualitäten so bemerkenswert macht, ist der Umstand, dass hier musikalische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in einer Schwebe gehalten werden. Traditioneller Jazz à la Satchmo steht hier neben dem Bebop eines Sonny Stitt und den klassischen Standardinterpretationen einer Anita O‘Day.


©Die Welt, Kultur, 3.8.2021

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