„Der Kunst in die Arme geworfen“ Hörspiel von Ursula Krechel
„Eines Tages war mir das „Lexikon deutscher Frauen der Feder“ in die Hände gefallen, ein Standardwerk vom Ausgang des 19. Jahrhunderts. Die trotzigen, mutigen, kruden, auch verzweifelten Biografien von bekannten und vergessenen Schriftstellerinnen wollten mir nicht mehr aus dem Kopf.
So vielfältig wie ihre Lebensverhältnisse waren die Ansichten dieser Frauen über das Schreiben. Ich hörte sie sprechen und sprach mit ihnen: eine Erprobung rituellen Sprechens. So entstand eine Kantate für Sprecherstimmen auf das 19. Jahrhundert.“ (Ursula Krechel) Die Autorin rückt facettenartig die äußeren und inneren Bedingungen des Schreibens für Frauen des 19. Jahrhunderts ins Blickfeld; sie schildert Behinderungen bis in ihre allerfeinsten Verästelungen, entwickelt aus dem historischen Material, Einsicht in die Identitätssuche von schreibenden Frauen, von denen viele gezwungen waren, unter männlichen Namen ihre Werke zu veröffentlichen. „Der Kunst in die Arme geworfen“ handelt von den Schwierigkeiten, aber auch von der Sehnsucht zu schreiben.
Der Kunst in die Arme geworfen
Von Ursula Krechel
Mit Ilse Ritter, Lore Brunner, Ortrud Beginnen, Franziska Walser, Sabine Andreas, Lieselotte Rau, Sabine Sinjen und anderen
Regie: Jutta Brückner
SFB/BR/NDR 1982
Bayern2, Hörspiel, 29.10.2022
Ursula Krechel, geb. 1947 in Trier, Schriftstellerin. Roman Landgericht (2012, Deutscher Buchpreis). Hörspiele u.a. Das Parkett ein spiegelnder See (BR/WDR 1979), Bilderbeben (BR 1991), Unendliches Türenschlagen (NDR 1997), Festbeleuchtung der Nacht (DLR 2007).