Der Letzte macht das Licht aus oder der Radiohörer trifft Karl Bruckmaier in Nürnberg.
Was ist so besonders daran, Karl Bruckmaier persönlich zu treffen? Da muss ich ein bisschen ausholen und ich hoffe, ihr versteht, warum mir das so wichtig ist.
Wenn er auf Bayern 2 seine Platten aufgelegt hat, dann sind im Osten Deutschlands, kurz DDR, die Bandmaschinen angelaufen. Er und u.a. Bernhard Jugel, Till Obermaier-Kotzschmar, Carl-Ludwig Reichert, Walter Meier, Thomas Meinecke, Ulrich Bassenge und Harry Lachner waren der Grund dafür. Sie spielten die Musik, an der sich sehr, sehr viele Musikfreunde orientierten, oder anders gesagt:
Wir waren der Schwamm, der alles aufsaugte, was sie spielten.
Ich erinnere mich noch gut, ich saß in Karl-Marx-Stadt bei Karl E. am Tisch, wo er mir das nächste Plattenpaket zum Überspielen zusammenstellte und er zählte mir nebenbei, dass Walter Meier was von David Thomas gespielt hatte. „The Monster walks the Winterlake“. Und so ging das immer. Wer hat was in welcher Sendung gespielt? Es gibt so viele Geschichten, die ich hier nicht alle wiedergeben kann. Das Gute ist nur, dass ich mich noch erinnern kann.
Es gab ein Tonbandgerät von Tesla, das mit halber Geschwindigkeit aufnehmen konnte. So konnte man 8 Stunden Musik aufnehmen, statt 4. Wir mussten immer Lösungen finden, weil wir keine Mittel hatten. Bänder, Bandmaschinen, Geld und Zeit. Zeitschaltuhren waren unsere Glücksbringer. Leute, die Tonbänder besorgen konnten, der Weihnachtsmann.
Und so tauschten wir Bänder, Platten und unser Wissen, denn wir liebten diese Musik!
Von dem Moment an, als ich reisen und Briefe verschicken konnte, mit der Gewissheit, dass sie ankommen würden, versuchte ich, meine Radiohelden zu treffen.
Aber was kommt dazwischen? Genau, das Leben ….

Gestern, am 7.1.25, hatte ich die Gelegenheit, Karl Bruckmaier zu treffen. In Nürnberg war das Bernsteinzimmer die letzte Station seiner Tournee „Der Letzte macht das Licht aus. Die Poptoten des Jahres 2024“. Die gleichnamige Sendung moderierte er viele Jahre auf Bayern 2 und nun live vor Publikum.
Wie er uns dann auf seine unnachahmliche und respektlose Weise durch diese gut 2 1/2 Stunden Musik auf eine Reise durch die Toten Musiker:innen führte, war meine lange Anreise und jede Minute wert.
Mit Bemerkungen wie: „der Klavierdeckel schloss sich für“ oder „die Saiten rissen für…“ kam nie Langeweile auf. Im Gegenteil, ich war wie viele andere hellwach. Wer war das und was machte er?
Es wurde viel Musik gespielt, verrückte und lustige Sachen. Von Steve Albini’s Big Black hätte ich mir „Kerocene“ gewünscht und vor Barre Phillips ein bisschen mehr Respekt. Er ist weit mehr, als der erste, der eine Bass-Solo LP veröffentlicht hat. Aber ok.
Karls sehr kurze Texte, pointiert und ohne Schnickschnack, sorgten immer wieder für großes Gelächter.
Alle im Bernsteinzimmer waren sehr glücklich über diese Zeit mit Karl an den Reglern, auch Jens. Mein Freund seit langer Zeit.
Und wir konnten zum ersten Mal miteinander reden, Karl und ich. Und am Ende hat er genauso angefangen wie ich und viele andere. Musikverrückt und mit der Gabe des Vermittelns, nur dass er einen Brief an den Bayerischen Rundfunk schicken konnte und viele andere nicht. Er konnte in diese legendäre Zündfunk-Bande einsteigen, die uns durch Ihre Sendungen mit musikalischer Nahrung versorgten.
Wo wäre ich heute, wenn es diese Sendungen auf Bayern 2 nicht gegeben hätte?
Ich glaube, vielen anderen im Bernsteinzimmer ging es genauso. Auch sie haben seine Sendungen und die der anderen von der Zündfunk-Bande sehr gerne gehört, gerade weil sie Musik gespielt haben, die sonst niemand im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gespielt hat. Das wird mir Helmut, der neben mir saß, bestätigen.
Eine Sache noch. Ich verstehe das viele ältere Hörer nichts mehr mit dem Zündfunk und dem Nachtmix anfangen können. Ich glaube das es allerdings am Alter der Hörer liegt. Letztlich wird dort die Musik gespielt, die gerade aktuell ist. Und das war schon in den 80er Jahren so ….