„Der raue Atem des Jazz“ Wolfgang Sandner über Pee Wee Ellis

Er hat für James Brown und Van Morrison die Zündschnüre gelegt: Jetzt ist der amerikanische Saxophonist Pee Wee Ellis mit achtzig Jahren gestorben.

Was wäre aus James Brown geworden, wenn ihm Pee Wee Ellis nicht über den Weg gelaufen wäre? Was aus Van Morrison? Pee Wee Ellis selbst hatte dazu eine lakonische Antwort parat: „Van Morrison ist Musiker. James Brown dachte, er sei einer.“ Ellis war Van Morrisons Zwillingsbruder von verschiedenen Müttern, der den Ideen des irischen Singer-Songwriters schwarze Gedanken anhängte, alle Songs arrangierte, aufraute und der Musik mit seinem Saxophon einen deutlich spürbaren Jazz-Odem einhauchte. James „Mr. Dynamite“ Brown hatte keine Ideen. Aber jede Menge Energie – in den Stimmbändern wie in den Beinen. Und er hatte scharfkantige Texte: „Cold Sweat“, „It’s a Man’s World“, „Say It Loud, I’m Black and I’m Proud“.



Für alles andere war Pee Wee Ellis zuständig. Das bedeutet, die musikalisch beste Zeit von James Brown – „America’s No. 1 Soul Brother“ – waren die Jahre von 1965 bis 1969, als Pee Wee Ellis für die explosiven Funk-Shows im Hintergrund die musikalische Zündschnur legte. Van Morrison war dagegen lange vorher schon und blieb auch nach der Zeit mit Ellis ein großer Pop-Künstler eigenen Rechts.



© FAZ, Feuilleton, 26.9.2021

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