„Die Eurokokke“ Hörspiel nach Yvan Goll von Karl Bruckmaier

Ein Bazillus geht um in Europa − die Eurokokke zerfrisst die Kultur, nagt sich fest in den Herzen der Menschen, infiziert selbst Kleinbürger mit Langeweile, Liebeskälte und Sinnverlust. Europa war ohne Gott, und deshalb war sein Schicksal so schwer.

Es gab auf der ganzen Strecke der Boulevards keinen einzigen Stein, vor dem man knien konnte, und das, das war so unerträglich!“ Yvan Golls Roman „Die Eurokokke“ (1927) zeichnet den Untergang des Abendlandes als Tour de Force zwischen Surrealismus und Expressionismus, zwischen Dekadenz und Zivilisationskritik.

„Der Protagonist bettelt geradezu darum, in Versuchung geführt zu werden: Irgendwo wird der Sinn des Lebens schon auf ihn lauern, bei der Arbeit, zwischen den Beinen eines Mädchens, in verkommenen Hinterhöfen, auf wilder Flur, in dekadenten Bars und Clubs. Doch unser Sinnsucher wähnt sich infiziert mit einer neuartigen Pestilenz. Er hat sich die Eurokokke eingefangen, die Krankheit des alten Europas. Das rauschhafte Durcheilen dieses Paris‘ der Zwanziger Jahre hat nichts von seiner brisanten Augenblicksschärfe verloren.“

(Karl Bruckmaier)


Die Eurokokke
Von Yvan Goll
Mit Marion Breckwoldt, Jörg Hube, Katja Rupé und Martin Semmelrogge
Bearbeitung und Regie: Karl Bruckmaier
BR 2004

© Bayern2, hör!spiel!art.mix, 17.12.2021

Yvan Goll (1891−1950), deutsch-französischer Dichter. 1914−1918 im Schweizer Exil, 1939 Flucht aus NS-Deutschland nach New York, 1947 Rückkehr nach Frankreich. Werke u.a. Methusalem oder Der ewige Bürger (1922), Johann Ohneland (postum 1957).

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