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„Die Flammen der Apokalypse“ Eine Reise mit Norman Mailer zum Mond und durch die Ängste des 20. Jahrhunderts

Als Präsident John F. Kennedy im Mai 1961 bei seiner Rede an die Nation vor dem US-Kongress ankündigte, „noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond und wieder sicher zur Erde zurück zu bringen,“ verwendete er Metaphern, die einerseits die Öffentlichkeit und die Wirtschaft begeistern sollten, andererseits einen Autor wie Norman Mailer (1923 – 2007) ordentlich unter Druck setzen konnten.

Feature von Peter Angerer.

„Dies ist ein neuer Ozean,“ sagte Kennedy, „und ich bin der Überzeugung, dass die Vereinigten Staaten ihn befahren müssen.“ Mit diesem Bild beschwor der Präsident den Pioniergeist einer Nation, die vor Furcht gelähmt und in Mutlosigkeit versunken, nur noch für billige Produkte und schale Unterhaltung zu haben war. Da war der Ozean, aus dem alles Leben gekrochen war, auf dem Odysseus über Götter und Ungeheuer triumphiert und den Kolumbus überquert hatte, die richtige Metapher, um spektakuläre Investitutionen und Visionen von einer Zukunft zu ermöglichen, in der vielleicht auch die Menschheit neu gedacht werden konnte. 1969 aber regierte in Washington mit Richard Nixon nicht gerade ein Mann mit Visionen, die Nation war angesichts von Vietnamkrieg, Rassenunruhen und sozialem Elend gespaltener denn je.

Als Norman Mailer, ausgestattet mit einem spektakulären Buchvertrag, nach Houston, Texas, zum NASA-Zentrum, und schließlich zum Weltraumflughafen Cape Kennedy in Florida, reiste, beobachtete er am 16. Juli den Start der Saturn V-Rakete und des Apollo 11-Raumschiffes auf dem Weg zum Mond. In seinem Buch „Auf dem Mond ein Feuer – Report und Reflexion“ feierte Mailer die Apollo-11-Mission als „bedeutendste Woche seit der Geburt Jesu Christi“ und „das Ende des 20. Jahrhunderts“. Eine gewagte Metapher, die Norman Mailer zurücknehmen musste. „Da lag ich vollkommen daneben,“ sagte Mailer 2002 im Wiener Palais Schwarzenberg.

© Ö1, Tonspuren, 14.7.2019

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