„Die Kunst des Komponierens“ Ach, wenn doch Mozart Helene Fischer etwas inspiriert hätte
Claus-Steffen Mahnkopf erklärt in seinem Buch „Die Kunst des Komponierens“, wie Musik entsteht. Eine Rezension von Wolfram Goertz.
Manche Bücher werden heftig ersehnt, aber nie geschrieben. Denn es mangelt an Generalisten, die schier eine ganze Welt überblicken. In unserem Fall: die weite Musikwelt – von Georg Friedrich Händel zu Ennio Morricone, von Guillaume Dufay zu Miles Davis, von Richard Wagner zu Jürgen Drews.
Nun hat es doch einer gewagt, der es wissen muss und ohnedies gern über den Tellerrand und den Bauchnabel hinausschaut: Claus-Steffen Mahnkopf, Professor für Komposition in Leipzig. Bei Suhrkamp hat er vor einiger Zeit die Philosophie des Orgasmus vorgelegt und jetzt, bei Reclam, Die Kunst des Komponierens. Der Unterschied zwischen diesen Disziplinen liegt darin, dass der Orgasmus mit etwas Geschick fast jedem möglich ist, die Komposition eines Kunstwerks nur Auserwählten. Mahnkopf nennt etliche Beispiele unvergesslicher Sinfonien, Lieder, Opern, Oratorien. Dagegen lässt er den Schlager komplett durchfallen („besonders niedriges musikalisches Niveau“); der Autor betrachtet ihn als das Ergebnis einer stereotypen Produktionskette, an deren Ende Helene Fischer und Roland Kaiser stehen.
Claus-Steffen Mahnkopf: „Die Kunst des Komponierens. Wie Musik entsteht“; Reclam, Stuttgart 2022; 240 S., 26,– €, als E-Book 18,99 €
