„Die neue Aristokratie des Jazz“ Neues Album von Sons of Kemet

Spielfreude in Klangkaskaden: Saxofonist Shabaka Hutchings und seine Band Sons of Kemet blicken auf ihrem Album positiv in die Zukunft. Von Lars Fleischmann

Dieses Klanggedicht beginnt mit gefallenen Königen. Jo­shua Idehen, Literat und Texter des Auftaktstücks, setzt im Intro von „Black to the Future“, dem neuen Album der britischen Jazzcombo Sons of Kemet, Sklaverei mit dem alttestamentlichen Exodus aus dem Gelobten Land nach Ägypten gleich. Und wie die Israeliten sich zu Tode gearbeitet haben, so landeten die schwarzen Könige auf den Feldern: „Field Negus“. Negus ist nicht etwa eine rassistische Titulierung, sondern das amharisch-äthiopische Wort für König.

Wütend und unversöhnlich klingt die Musik auf „Black to the Future“ dennoch, die Songs sind erkennbar inspiriert von den großen gesellschaftlichen Diskussionen im angloamerikanischen Raum der letzten Jahre: Black Lives Matter und Rassismus auf den Straßen Großbritanniens (und nicht nur dort), das Comeback der Weißen Suprematisten. Doch statt im Hier und Jetzt zu verweilen, wenn die Situation unerträglich erscheint, gewähren Sons of Kemet lieber einen utopischem Ausblick: Schwarz geht es in die Zukunft – ganz vorne mit dabei: König Shabaka I.

© TAZ, Kultur, Musik, 20.5.2021

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