„Die verdammten Spechte“ Jazzdrummer Bennink über Trommelwirbel

Han Bennink ist beim Jazzfest Berlin zu Gast. Er blickt auf eine lange Karriere zwischen freier Improvisation und bildender Kunst zurück. Von Maxi Broecking.

taz: Han Bennink, wie geht es Ihnen, wo sind Sie gerade?

Han Bennink: Mir geht es eigentlich sehr gut. Obwohl ich aufpassen sollte, wenn ich das sage. In Holland muss man dann gleich auf Holz klopfen, man weiß ja nicht, was kommt, immerhin bin ich im 80. Lebensjahr. Nur meinen Zähnen geht es nicht so gut, die fallen aus. Demnächst muss ich zum Zahnarzt und dann bekomme ich Kastagnetten – und das als Schlagzeuger! Jetzt gerade sitze ich in meinem Haus bei Groningen, mitten im Wald mit vielen Vögeln um mich herum, ich liebe Vögel!

Ihr Drumstil ist sehr virtuos, immer geprägt von Tempo, Energie und Anarchie. Auf der Bühne sind Sie eine Naturgewalt. Lässt es sich als Free-Jazz-Schlagzeuger gut altern oder denken Sie manchmal ans Aufhören?

Zuerst einmal, den Begriff „Free Jazz“ kann ich nicht leiden. Was soll das überhaupt heißen? Ich nenne es lieber „improvisierte Musik“. Und ich denke gar nicht daran, aufzuhören. Nach wie vor spiele ich ausgiebig, vor allem mit jungen Musiker:innen. Nur die Konzert­reisen finde ich strapaziös, Reisen fand ich aber immer schon anstrengend.



3 Comments

  1. Mein Vater war mit 50 nicht mehr so agil wie Bennink mit 70! Ich glaube, es ist seine Bodenständigkeit und das Pflegen seiner Wurzeln, die ihn so authentisch machen – Leute wie Chick Webb oder Elvin Jones sind seine Heroen, aber auch die Spechte. Das ist toll. Ich mag Vögel genau so – sie sind mir immer wieder wichtige Gesprächspartner, wenn ich draußen welche höre. Und ich bin immer ein absoluter Laie, wenn ich versuche, mit ihnen zu kommunzieren…!

    Lucky
  2. Hi Lucky. Es ist schon verrückt wie fit ein Schlagzeuger wie Han Bennink ist. Genau so ist auch bei Baby Sommer. Der ist fit und spielt noch immer 2 Stunden Schlagzeug, mit 78 Jahren. Er hat ja auch seiner Mutter versprochen min. 80 Jahre zu werden. Wie er mal bei einem Gespräch erwähnte.

    portfuzzle
  3. So Versprechen können helfen sich zu fokussieren – und nach dem Versprechen hat man es einfach nicht mehr in der Hand, „versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen“, heißt ein Sprichwort.

    Ich möchte nicht mindestens 80 Jahre alt werden. Ich finde 70 schon ganz ordentlich. Wenn ich darüber hinaus nicht nur mit Krankheit und Zipperleins zu kämpfen habe, okay. Sonst ab in die Urne. 🙂

    Lucky

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