„Ein Don Quijote unserer Zeit“ Zum Tod Von Cristóbal Halffter
Er galt als Widerstandsmusiker mit moralischem Anspruch. In seinen Kompositionen verband er teutonische Strenge und „südliche“ Sinnlichkeit. Nun ist Cristóbal Halffter mit einundneunzig Jahren gestorben. Von Josef Oehrlein
Der spanische Komponist Cristóbal Halffter hatte zwei Geburtstage. Der eine, der 24. März 1930, war der Tag, an dem er tatsächlich das Licht der Welt erblickte, der 27. März desselben Jahres war sein administrativer Geburtstag: Seine Eltern hatten die Geburt zu spät angezeigt, und der Standesbeamte wollte ihnen mit der Datums-Mogelei die Strafgebühr ersparen. Die Kuriosität einer scheinbaren Doppelexistenz sollte freilich bestimmend für sein gesamtes Leben werden.
Nachkomme eines ostpreußischen Freiherrn und einer Andalusierin, Neffe der Komponisten Ernesto und Rodolfo Halffter, verband in seinem musikalischen Lebenswerk teutonische Strenge mit „südlicher“ Sinnlichkeit, eine kompromisslos moderne Klangsprache mit tief in der spanischen Musikgeschichte verwurzelten Formen, ohne je billigem Folklorismus zu erliegen.
© FAZ, Feuilleton, 24.5.2021