„Ein schwärzlich Silbergrau“ Begegnungen mit dem polnischen Saxofonisten Maciej Obara Mit Karl Lippegaus
Ein paar Töne aus nächster Nähe erlebt und sein Entschluss stand fest: Maciej Obara wollte Altsaxofon spielen. Rasch lernte er die ersten Schritte und erkämpfte sich einen Studienplatz am Konservatorium. Doch nicht nach Klassik, nach Cannonball Adderley und vor allem John Coltrane stand ihm der Sinn. Besonders Coltranes Einfluss wurde so übermächtig, erklärt der polnische Künstler, dass er sich von seinem Vorbild lösen und einen eigenen Weg finden musste.
Mit Karl Lippegaus
Ein Besuch in den USA führte zu einer Plattenaufnahme mit dem Trompeter Ralph Alessi. Rasch entwickelte Obara einen eigenen Stil und Sound. Beim Trompeter Tomasz Stanko, dem er durch den Produzenten Manfred Eicher begegnete, lernte Obara, wie man als Bandleader seine ideale Besetzung formiert. Mit der skandinavischen Rhythmusgruppe aus Ole Morten Vågan am Bass und Gard Nilssen an den Drums fand er ein ideales Team, das an die große Tradition von Palle Danielsson und Jon Christensen anknüpft. In seinem Landsmann Dominik Wania, der ebenfalls in Stankos Band bekannt wurde, hat Obara einen großartigen Pianisten zur Seite. Nach einigen Live-Alben kam es im Januar 2017 zur ersehnten ersten Zusammenarbeit mit Manfred Eicher in Oslo.
Speziell in den Kompositionen Krzysztof Komedas treffen die vier, wie auf ihrem aktuellen Album „Unloved“ zu erleben, einen melancholischen (frei nach Shakespeares Hamlet) „schwärzlich silbergrauen“ Ton, der unverkennbar zum polnischen Jazz gehört.
© NDRInfo, Jazz Special, 29.6.2018