Erkki-Sven Tüür – Neues Album: Ob die Botschaft verstanden wird?
Ein Musiktipp von Hans-Jürgen Linke (FR). „ÆRIS“: Drei nachdrücklich rätselhafte Kompositionen von Erkki-Sven Tüür. Ist es ein Trugbild, eine kurze Täuschung? Oder was steckt dahinter, wenn einem in Erkki Sven Tüürs „Phantasma“ etwas flüchtig und irritierend bekannt vorkommt?
Das sei sogar Absicht, sagt er: Wie ein Gespenst erscheint, gut getarnt und geheimnisvoll, ein Motiv aus Beethovens Coriolan-Ouvertüre op. 62. Man hört es eigentlich nur, sagt Tüür, wenn man seine Komposition genau kennt. Es ist auch nicht zentrales Anliegen, auf das Beethoven-Motiv listig hinzuweisen. Vielmehr handelt es sich um eine sehr persönliche Hommage Tüürs an seinen Vater, einen estnischen Pfarrer, der in seinen jungen Jahren zufällig über Beethovens Coriolan gestolpert war und sich fortan sammelnd und lesend – soweit das in der Sowjetunion jener Jahre möglich war – mit Beethoven beschäftigte. Ohne ihn, sagt Tüür wäre er wohl nie Komponist geworden.
© FR, Kultur, Musik, 17.8.2025