Polnische Musikerinnen Freiheit und Słyż „Bodyhorror mit Schlossgespenstern“
Ein Musiktipp von Robert Mießner (TAZ). Die polnischen Musikerinnen Alex Freiheit und Aleksandra Słyż haben ein gemeinsames Album herausgebracht. „Ghsting“ ist ein avanciertes Hörstück.
Wie klingt ein Jahr, das schäbig endet und kein besseres in petto hat, wie vertont man den lidlosen Blick vom Balkon auf einen traurigen Silvestertaumel, auf Kinder, kleine Harlekine, die am Kreisverkehr eine brennende Barrikade errichten, auf Hooligans mit Kraterfressen und Spitznamen wie Harakiri, auf versehrte und verheerte Frauen?
Mit dieser Gemengelage setzt der Text ein, den die polnische Dichterin und Sängerin Alex Freiheit für das Album „Ghsting“ geschrieben und eingesprochen hat. Die Musik hat die Komponistin und Musikerin Aleksandra Słyż komponiert und miteingespielt.
„Ghsting“ ist ein avanciertes Hörstück, eine dramatische Text-Ton-Collage mit bestürzenden und verstörenden Klangbildern: vier Kapitel nebulöser Ereignisse in einem namenlosen Hotel in einer namenlosen Stadt. Die Auflösung schafft Klarheit, aber hilft nicht gegen das Unbehagen. Alex Freiheit beschwört, verflucht und spottet. Sie performt den Text im polnischen Original. Im 24-seitigen Booklet ist er in einer englischen Übersetzung abgedruckt.
© TAZ, Kultur, Musik, 18.8.2025