Essay: Die Macht der Vermögen und die Ohnmacht des Staates
Wolfgang Detel im Gespräch mit Thorsten Jantschek. Die Reichen werden immer reicher. Gleichzeitig diskutiert Deutschland diskutiert über Einschnitte im Sozialsystem. Krasse wirtschaftliche Ungleichheit fördert den Aufstieg der extremen Rechten, warnt der Philosoph Wolfgang Detel.
An die Stelle der von dem Soziologen Helmut Schelsky in den 1950er Jahren beschriebenen nivellierten Mittelstandsgesellschaft hat sich spätestens seit den 1970er Jahren durch Globalisierung, Deregulierung der Wirtschaft und der Finanzmärkte eine Gesellschaft entwickelt, die am einen Ende wachsende Armut erlebt, am anderen Ende einen Ultrareichtum, das heißt Menschen mit mehr als 500.000 Euro Jahreseinkommen, hervorgebracht hat.
Derzeit erleben wir weltweit, wie diese Gruppe erheblichen politischen Einfluss gewinnt und ausübt, ohne demokratisch legitimiert zu sein. Die Herausforderungen für Demokratie und Rechtstaat sind also beträchtlich. Lösungen scheinen nur durch steuerliche Mehreinnahmen, ja einen radikalen Umbau des Steuersystems möglich. Doch wie lässt sich dies denken? Und wie politisch durchsetzen?
Wolfgang Detel (Jahrgang 1942) lehrte Philosophie und Wissenschaftstheorie vor allem in Hamburg und Frankfurt, übersetzte wesentliche Schriften des Aristoteles und legte mit Büchern wie Macht, Moral, Wissen. Foucault und die klassische Antike (1998) oder Geist und Verstehen (2011) wichtige Studien den Grundlagen der Geisteswissenschaften vor. Mit seinem jüngsten Buch Schockierende Ungleichheit (2025) widmet er sich den ökonomischen Grundlagen der Gegenwart.
© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 5.4.2026