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Essay: „Was war noch der Fortschritt?“ Notizen aus der verkrempelten Welt

Von Gabriel Yoran. Irgendetwas stimmt nicht in unserer Welt. Ständig wird uns versprochen, dass die Dinge besser werden. In Wahrheit werden sie – von Toastern bis hin zu Smartphones – vor allem komplizierter. Was ist das nur für ein merkwürdiges Fortschrittsversprechen?

Das große Fortschrittsversprechen der Moderne folgt einer simplen, aber äußerst verführerischen Steigerungslogik, immer mehr wird uns die Technik die Arbeit abnehmen. Dank Computer, Internet und Mobilfunk sind wir freier und kommunikativer denn je, der Reichtum wächst, die Aktienkurse auch. 
Aber spätestens als in New York nach dem Terrorangriff von 9/11 die Türme des World Trade Centers, die Symbole für den Zusammenhang von Wachstum und Kapitalismus, zusammenstürzten, machte sich in der westlichen Fortschrittserzählung die Einsicht breit, dass Fortschritt kein Naturgesetz ist, sondern eine Erzählung – selektiv, von PR-Interessen von Konzernen befeuert und mitunter politisch naiv.
Fortschritt will zu Lebzeiten erlebt, nicht nur abstrakt zur Kenntnis genommen werden in seiner historischen Dimension. Und wer ihn nicht erlebt, und zwar bezogen auf das, was ihm als wünschenswert erscheint, wird frustriert.
Wer heute also das bessere Leben will, muss jenseits der Steigerungslogik des Fortschritts definieren, was „besser“ genau heißen soll. Das reine „mehr“ an Freiheit, Gleichheit, ökologischer Tragfähigkeit reicht nicht mehr aus. 
Der dieser Sendung zugrunde liegende Text entstammt Gabriel Yorans Buch „Die Verkrempelung der Welt“, erschienen im Suhrkamp Verlag.

Gabriel Yoran, geboren 1978 in Frankfurt am Main, ist Unternehmer und Autor. Mit achtzehn gründete er sein erstes Unternehmen. Er promovierte über Spekulativen Realismus bei Graham Harman an der European Graduate School. Zuvor studierte er Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK Berlin. Er ist Mitgründer mehrerer Unternehmen und Autor diverser Sachbücher, zudem schreibt er für den Merkur, Zeit Online, Krautreporter und die taz. 

© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 7.9.2025

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