Freudenspender der Jazz-Melancholie: Franz Koglmann wird 75

Meister des kühl kalkulierten Wohllauts: Der Wiener Komponist und Jazztrompeter feiert am Sonntag seinen 75. Geburtstag. Eine Würdigung. Von Ronald Pohl.

Unter den vielen Krawallbläsern, die das dissonante Klangbild des jüngeren Jazz wesentlich mitbestimmt haben, nimmt Flügelhornist Franz Koglmann eine Sonderstellung ein. In der Ruhe liegt die Kraft dieses an Ellington, am Miles Davis der Birth of the Cool-Phase geschulten Kopfes. Das Öffnen von Überdruckventilen ist gewiss seine geringste Sorge.



Seit ziemlich genau 50 Jahren treibt Kogl-mann, Wiener des Jahrgangs 1947, die Entwicklung der heimischen Jazz-Avantgarde sublim voran: indem er die funkelnden Partikel der „kühlen“ Jazz-Tradition prüft, wägt und – nach den Maßgaben des „Third Stream“ – sorgfältig miteinander verbindet. In den verschiedensten Besetzungen, ob im „Pipetett“, im Trio oder als Impulsgeber größerer Ensembles, hat Koglmann seine Auffassung einer Avantgarde mit Hirn wiederholt bestätigt.




© Der Standard, Kultur, 22.5.2022

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