Georg Seeßlen über Jens Balzers Buch „Pop – Ein Panorama der Gegenwart“ in „Der Freitag“
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Sampeln des Subjekts
Pop Jens Balzer beschreibt, was mit der Musik und dem Menschen im digitalen Neoliberalismus geschieht.
Jens Balzer, der als Musikredakteur bei der Berliner Zeitungarbeitet, wählt eine sehr eigene Mischung, und weil er wirklich verdammt gut schreiben kann, garantiert das schon mal eines: ein großes Lesevergnügen. Seine Beschreibung von Pop Acts, von den zerbrechenden Inszenierungen heroischer weißer männlicher Heterosexualität wie bei Pete Doherty über die bärtigen Freak-Folker, den entschleunigten Lärm von Sunn 0))), die Akzelerationsmusik von FKA twigs und die „Identitären“ des Rock wie Freiwild bis hin zu Helene Fischer, die es schafft, die unterschiedlichsten Erscheinungen der Popmusik im Format des deutschen Schlagers unterzubringen, ohne sich von Brechung oder Ironie irritieren zu lassen – sie alle nähren sich nicht nur vom genauen Hinsehen und Hinhören, sondern auch von Konzertbesuchen und Interviews. Man ist mit dem Autor unterwegs in der Szene, und man ist es gern, selbst wenn es zu nervenden Auftritten wie bei Sting oder Rufus Wainwright geht. Text: Georg Seeßlen
© Der Freitag, AUSGABE 3316 | 19.08.2016 |