Gespräche über den abwesenden Herrn Hacks – Der „Goethe der DDR“ revisited von Jan Decker

Er war der meistgespielte Dramatiker in beiden deutschen Staaten und ist auf heutigen Bühnen abwesend. Lebenslang hielt er an der DDR fest und umgab sich mit der Aura des Dichterfürsten. Zeit für einen neuen Blick auf Peter Hacks.

Hatte die DDR einen Goethe, und hieß er Peter Hacks? Peter wer? Lange Zeit war der Schriftsteller auf deutschen Bühnen allgegenwärtig, vor allem mit seinem Dauerbrenner „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“. Aus München einst in die DDR gezogen, konnten weder Stasi noch Westpresse ihn richtig einordnen. War der eigenwillige Hacks am Ende ein Oppositioneller – oder doch ein hundertprozentiger Verteidiger des ostdeutschen Staates über dessen Ende hinaus, wie es schien? Auf jeden Fall bildete Hacks seine eigene Kategorie: Kein anderer schrieb nach 1945 opulente Versdramen, kein anderer bewohnte in den Sommermonaten ein burgartiges Anwesen bei Berlin, kein anderer hatte in der DDR Hausangestellte. Auch seine Arbeitsgruppen an der Akademie der Künste der DDR, in denen er gelehrigen Schülern die Kunst des Dramas beibrachte, seine erotischen Gedichte und seine extrem polemischen, aber immer unterhaltsamen Essays weisen ihn als einen Dichterfürsten aus, einen sozialistischen Goethe, der bemüht war, eine klassische Literatur der DDR herauszubilden. Obwohl Peter Hacks schon lange vom Erfolgsautor zur Randfigur geworden ist, hält sich bis heute eine kleine, aber bedeutende Schar von Anhängern, Weggefährten, Kritikern, die mehr oder weniger Hacksianer sind. Jan Decker besucht sie und spricht mit Jens Sparschuh, Kerstin Hensel, Dietmar Dath, dem jungen Kabarettisten Marco Tschirpke und vielen anderen über den abwesenden und doch auf seine spezielle Art weiterhin sehr präsenten Herrn Hacks.



Gespräche über den abwesenden Herrn Hacks
Der „Goethe der DDR“ revisited
Von Jan Decker
Regie: N.N.
Mit: N.N.
Ton: N.N.
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2021

© Deutschlandfunk Kultur, Feature, 20.11.2021

Jan Decker, geboren 1977 in Kassel, lebt als Autor in Wien. Schreibt vor allem Hörspiele und Features. „Jaco Pastorius‘ Gang durch den Schnee von Rheidt nach Havona“ (DKultur 2011), „Morgenland und Abendland“ (DKultur 2013), „Der Bergfex“ (RBB 2017), „Texas Pattis Karnevalsparty“ (Deutschlandfunk Kultur 2017) u.v.a. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Johann-Gottfried-Seume-Literaturpreis für seinen 2017 erschienenen Roman „Der lange Schlummer“. Zuletzt: „Brexit Blues“ (Kriminalhörspiel, NDR 2021).

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