Gustav Holst hat dem Universum einen Klang verliehen
Von Rüdiger Görner (NZZ). Mit seiner Suite «Die Planeten» wurde Gustav Holst zum Vater der Science-Fiction-Musik. Aber der kosmopolitische Brite begeisterte sich auch schon früh für die Kultur Indiens und distanzierte sich vorsichtig vom Kolonialismus.
Im vergangenen Herbst beging die Musikwelt postum die runden Geburtstage von Anton Bruckner und Arnold Schönberg. Um einen dritten Komponisten, der wie Schönberg im September seinen 150. Geburtstag gefeiert hätte, blieb es dagegen irritierend still. Dabei dürfte fast jeder zumindest den charakteristischen Tonfall seiner Musik im Ohr haben, auch wenn ihm der Name des Briten Gustav Holst (1874–1934) nicht geläufig sein sollte.
Denn Holst schrieb mit seiner Orchestersuite «Die Planeten» eine der stilprägenden und meistzitierten Vorlagen für die europäische Filmmusik, insbesondere zu Science-Fiction-Stoffen. Namentlich Holsts tönende Darstellungen des kriegerischen Mars und des impulsiven Jupiter haben beispielsweise in der «Star Wars»-Musik von John Williams hörbar Spuren hinterlassen, aber auch in vielen anderen Soundtracks, etwa in Howard Shores Partituren zu «Der Herr der Ringe».
© NZZ, Feuilleton, 12.1.2025