Musiktipps

Hanns-Josef Ortheil: „Als kreiste man beethovenabhängig im Universum“

Musik wie ein Schock: Hanns-Josef Ortheil befragt Hanns-Josef Ortheil zu einer lebenslangen Verzauberung.

Wann haben Sie Beethoven kennengelernt? Als kleiner Bub in den Fünfzigerjahren. Mit meiner Mutter hörte ich damals Musik im Radio: Haydn, Mozart und Juliette Greco. Bei Beethoven überfiel meine Mutter ein Gruseln. So bekam ich seine Klaviersonaten und Symphonien erst in Konzerten mit meinem Vater zu hören. Nach jedem Konzert war ich wie hypnotisiert, die Musik ging mir nicht mehr aus dem Kopf, es war jedes Mal wie ein Schock.

Haben Sie seine Stücke auch auf dem Klavier gespielt? Noch lange nicht, meine Lehrerinnen meinten, Beethoven sei nichts für klavierübende Kinder. Ich übte Czerny, spielte Sonatinen von Mozart und Schumanns „Album für die Jugend“ – das war weder dunkel noch gefährlich.

Und damit gaben Sie sich zufrieden? Keinen Moment. Ich hatte den Beethoven-Virus eingefangen und wollte alles über ihn wissen. In meinem Vater hatte ich einen ebenfalls infizierten Begleiter. Von Köln aus fuhren wir oft nach Bonn und streunten zusammen durch Beethovens Geburtshaus. Das war eine wunderbare Genie-Puppenstube: Noten, Bilder und vor allem Instrumente und Gegenstände aus Beethovens Leben. Da konkretisierten sich die Eindrücke und entwarfen eine Gestalt.

© Frankfurter Rundschau, Kultur, Musik, 14.12.2020

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