Harrison Birtwistle: „Wenn die Erde tanzt“. Von Max Nyffeler

Als Individualist war er typisch britisch, nur „englische Musik“ wollte er nicht schreiben. Jetzt ist der Komponist Harrison Birtwistle mit 87 Jahren gestorben.

Nein, anders als in früheren Jahren fürchte er den Tod nicht, sagte der vierundachtzigjährige Harrison Birtwistle vor vier Jahren in einem Gespräch am Rande eines Münchner Konzerts, das seinem Schaffen gewidmet war. „Wenn man lebt, denkt man ans Jetzt und ist dankbar dafür.“ In den letzten Jahren habe er sogar immer das Gefühl eines neuen Anfangs gehabt und ein völlig neues Bewusstsein seiner Arbeit entwickelt. Dass Birtwistle zu den Komponisten gehörte, die bis ins hohe Alter kreativ blieben, hängt vielleicht mit seiner musikalischen Persönlichkeit zusammen, die ohne Seitenblicke auf aktuelle Trends und Publikumserwartungen konsequent ihren eigenen Weg ging.



Als Komponist schrieb er Instrumentalwerke für alle Gattungen; sein Opernschaffen umfasst sieben Bühnenwerke, darunter 1968 das skandalträchtige Slapstickstück „Punch and Judy“ und 2008 das grausame Antikendrama „Minotaur“. Der mit vielen internationalen Auszeichnungen Gefeierte ist gestern im achtundachtzigsten Lebensjahr in Mere im Südwesten Englands gestorben.



© FAZ, Kultur, 19.4.2022

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.