Harry Lachner: „Differenz und Wiederholung“ Große und kleine Rituale in der Musik
Nach hören …
Die Minimal Music treibt den Wiederholungszwang ins Extrem: Motive, die sich in oft nur kleiner Variation überlagern, einander konfrontieren, sich gegenseitig aufschaukeln. Ein Kreisen, fast nur mehr um sich selbst, angetrieben von einem nachdrücklichen Puls. Doch diese Wiederkehr der nur leicht abgewandelten Motive ist ein gängiges Phänomen, wenn etwa Filmkomponisten ein bestimmtes Thema über die gesamte Dauer immer wieder in leicht variierter Form aufgreifen – und damit eine eigene Motorik der Empfindung gestalten. Doch simulieren diese kleinen, musikimmanenten Zyklen der Wiederkehr des scheinbar Ewig-Gleichen nicht auch jene Groß-Zyklen gesellschaftlicher Rituale, die der Geschwindigkeit des Lebens eine Form (vor)geben? „Differenz und Wiederholung“: So nannte der Philosoph Gilles Deleuze 1968 seine Untersuchung, auf die diese Sendung immer mal wieder Bezug nimmt. Nicht zuletzt, um das Unähnliche im Ähnlichen zu suchen.
swr2-musikpassagen-20160417 Manuskript der Sendung
© SWR 2, Musikpassagen, 17.4.2016