Best of 2025Best Of The Years

Harry Lachner: Unvollständiger Rückblick auf das Hörjahr 2025

Der Schwerpunkt dieser Liste liegt auf den mir wichtig erscheinenden Neuheiten aus der Abteilung „improvisierte Musik“. Tatsächlich finden sich hier Veröffentlichungen, die sich eher an den Rändern des Gewohnten oder Erwartbaren ansiedeln.

Ein Album mit dem Mandocello, eine Einübung in Reduktion (Fagaschinski), die Erkundung vom Verhältnis von Klang, komplexer Struktur und der souverän gesetzen Stille (Anthony Coleman – mein „Album des Jahres“), ein listiges Spiel mit der Elektronik (Ikue Mori) oder die Klangverdichtung und -schichtung (Mare Crisium). Unter den älteren Aufnahmen, die erstmals veröffentlicht wurden, waren die beiden interessantesten das Konzert von Charles Mingus in Argentinien aus dem Jahr 1977 und der Mitschnitt des Duos Cecil Taylor & Tony Oxley von 1988. Einige Alben der in der Liste sind bereits 2024 erschienen. Aber manches – wie das Duo von Wadada Leo Smith & Joe Morris – ließ sich etwas Zeit, bis es sich von mir entdecken ließ…

Für die Gestaltung von Noise und der Fragmentierung von vertrauten Mustern der Rockmusik wären u.a. die Bands Earthball und Apparitions zu nennen. Sie und die Kooperation von Sumac mit Moor Mother mögen für die wenigen herausragenden Produktion aus dem Rockbereich stehen.

Im Genre „Notierte Musik“ (um Begriffe wie Klassik, Avantgarde oder Ernste Musik zu vermeiden) boten die beiden Sets von Steve Reich und Terry Riley die Gelegenheit, noch einmal zu den Anfängen der Minimal Music zurückzukehren. Als struktureller Widerpart und Pulsentschleuniger bot sich die Beschäftigung mit dem Werk von Morton Feldman an, jene von jeglichem Pathos und jeglichem Drama befreite Musik. Für einige Beispiele musste das Archiv herhalten:

Abgesehen von den Rückgriffen auf all jene Komponisten, die das ganze Jahr über allgegenwärtig sind (Pierre Henry, Toru Takemitsu, Giacinto Scelsi, Luc Ferrari, George Crumb u.a.) ragten für mich die folgenden Alben aus dem Gros der „notierten“ Neuheiten hervor:

Sabine Liebner: John Cage: Winter Music

Apartment House: John Cage Chamber Works 1943-1951

Brunhild Ferrari: Errant Ear

Marmen Quartet – Ligeti & Bartók: String Quartets

Sergio Armaroli: Stockhausen – Tierkreis, 12 Melodies of The Star Signs

JACK Quartet: John Zorn – The Complete String Quartets


Hier eine kleine Auswahl an Aufnahmen, die im vergangenen Jahr auf je andere Art und Weise das Feld der improvisierten Musik mit innovativen Ansatzen oder mit der konsequenten Fortführung ihrer ganz eigenen Ästhetik bereicherten:

Anthony Coleman: Sounding Board

Henry Threadgill: Listen Ship

Rainer Jancis & Elliott Sharp: Uhhuu

Ikue Mori: „Of Ghosts and Goblins“

Ava Mendoza, Gabby Fluke-Mogul, Carolina Pérez: Mama Killa

Zeena Parkins: Modesty of the Magic Thing

Brandon Lopez: „Nada Sagrada“

Kai Fagaschinski: Aerodynamics

Wadada Leo Smith + Joe Morris: Earth’s Frequencies

Mike Cooper: Eternal Equinox + When A Screaming Comes Across The Sky

Elliott Sharp: Mare Crisium + Mandocello

Francois Houle + Georg Graewe: Music for Clarinet and Piano

Dans les Arbres: L’album vert

Painkiller: The Equinox


An den Rändern der Rockmusik konnte man auf Alben stoßen, die sich dem Zugriff der Kategorisierung widersetzen – ob Noise benannt, Drone, Spoken Word, Alternative oder was auch immer. Egal. In erster Linie sind sie erfrischend widerständige Formenspiele.

Sumac & Moor Mother: The Film

Apparitions: Volcanic Reality

Toru: Velours Dévorant

Patrick Shiroishi: Forgetting Is Violent

Earthball: Outside Over There

Stephen O’Malley: But Remember What You Have Had

Marja Ahti: Touch This Fragrant Surface of Earth

Prison: Downstate

Im Rückspiegel – oder: objects in mirror might be closer than they appear. Das heißt: bislang Ungehörtes (Mingus, Taylor & Oxley) und Widerhörenswertes in gebündelter Form. Und ja, es ist uns näher…

Bernard Parmegiani: „Lac Noir – La Serpente 1992“ (Sub Rosa)

Terry Riley: The Columbia Recordings

Steve Reich: Collected Works

Charles Mingus: In Argentina – The Buenos Aires Concerts

Cecil Taylor + Tony Oxley: Flashing Spirits

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