Hayden Chisholm und Philip Zoubek mit „As If the Stormy Years“ – Kostbarkeiten, herausgepickt aus einem zerlesenen Buch
Ein Musiktipp von Hans-Jürgen Linke und dem ich 100% zustimme! Hayden Chisholm und Philip Zoubek vergegenwärtigen sich die Musik George Ivanovich Gurdjieffs.
Ein zerlesenes Buch, in das irgendwo in Zentralasien ein Mann mit Brille Noten und Anmerkungen gekritzelt hat – das ist die etwas mystifizierende Beschreibung der Quelle für diese Musik. Der neuseeländische Altsaxofonist Hayden Chisholm und der österreichische Pianist Philip Zoubek haben die so notierten Melodien erschlossen und Goldstücke herausgepickt. Sie sind Teile ihres gemeinsamen musikalischen Reservoirs geworden und nun Ausgangsmaterial für ihr Duo-Album „As If the Stormy Years Had Passed“.
Feinsinnige Weltabgewandtheit und Transzendenz durchzieht die Musik, eine Art feinstofflicher Exotismus. Kein Hauch von Honig oder anderen versüßenden Substanzen ist daruntergemischt.
Auf delikate Weise ist die Musik auf „As If the Stormy Years“ spröde und kompromisslos: Sie versucht nicht, sich mit vertrauten Wendungen und Eisprengseln irgend einer Hörgewohnheit anzuverwandeln, sondern verharrt in einer Ferne, die der Quellenlage angemessen ist. Jedes Stück, und sei es auch noch so kurz, ist eine kleine, individuelle Kostbarkeit.
© Frankfurter Rundschau, Kultur, Musik, 11.12.2025