Hörfunktipps KW 45 Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen
Montag, 07. November 2016
Musik-Panorama • 21:05 – 22:50 Uhr • Deutschlandfunk
Sinnlich virtuos
Das Azahar Ensemble eröffnet die Saison der Raderbergkonzerte 2016/2017
Werke von Anton Reicha, Gija Kancheli, Carl Nielsen und
Joaquín Turina
Am Mikrofon: Sylvia Systermans
Azahar – das klingt nach andalusischer Sonne und duftenden Orangenblüten. So klangsinnlich der Name, so sinnlich und ausdrucksstark spielen auch die fünf Bläserinnen und Bläser des Azahar Ensembles. Kennengelernt haben sie sich im spanischen Nationalen Jugendorchester. Nach Studien bei Sergio Azzolini in Basel startete das Bläserquintett mit Preisen beim ARD-Wettbewerb in München 2014 seine internationale Karriere. Die neue Saison der Raderbergkonzerte eröffnet das Azahar Ensemble nun mit virtuosen, sphärischen und spanisch temperamentvollen Quintetten von Anton Reicha, Gija Kancheli, Carl Nielsen und Joaquín Turina.
Zeitfragen. Feature • 19:30 – 20:00 Uhr • Deutschlandradio Kultur
Land der Opfer
Eine Gesellschaft zwischen Erinnerungskultur und Opferkult
Von Heiner Kiesel
Sie verdienen unser Mitgefühl, ihre Schwäche verdient Schutz und sie machen uns durch ihr Schicksal klar, was wir als unakzeptabel ablehnen. Wenn es um Opfer geht, zeigt unsere Gesellschaft ihre moralische Tiefe und ihre mitmenschliche Kraft. Am stärksten wird das in dem »Nie wieder!« zum Holocaust deutlich. Wir haben dazugelernt. Aber die Aufwertung der Leidtragenden hat eine bedenkliche Dynamik entwickelt.
In Concert • 20:03 – 21:30 Uhr • Deutschlandradio Kultur
- Rudolstadt-Festival
Konzertbühne Heinepark
Luke Winslow-King & Band
Moderation: Holger Beythien
Sein Auftritt war beim diesjährigen Rudolstadt-Festival für viele eine Überraschung. Zum einen, weil Luke Winslow-King hierzulande (noch) relativ unbekannt ist, zum anderen bot der 33-jährige US-Amerikaner mit seinem Trio einen selten so perfekt und lustvoll aufeinander abgestimmten Stilmix aus New Orleans Jazz, Delta Blues, traditionellem Folksong und vielem anderen – selbst Anklänge von Belá Bartók oder Antonín Dvořák kann man im Œuvre des Singer/Songwriters ausmachen: Ein Chamäleon der Americana-Musik und auf jeden Fall an Vielseitigkeit und Einfallsreichtum kaum zuüberbieten. Seine Musik, so steht es im Programmheft des Festivals, »klingt wunderbar alt und neu zugleich. Rustikal, reduziert, exzentrisch und elegant.« Besser kann man das Konzert von Luke Winslow-King auf der Konzertbühne im Heinepark kaum beschreiben.
Dienstag, 08. November 2016
Das Feature • 19:15 – 20:00 Uhr • Deutschlandfunk
Unter dem Brennglas
Die Ureinwohner der russischen Arktis im Kampf gegen Klimawandel und Konzerne
Von Andrea Rehmsmeier
Regie: Wolfgang Rindfleisch
DLF 2016
Die Arktis gilt als El Dorado des 21. Jahrhunderts. Seit die Polkappen schmelzen, lockt sie mit angeblich immensen Bodenschätzen. Russland ist der erste Staat, der die Öl- und Gasvorkommen des Nordpolarmeers im industriellen Maßstab erschließen will. Im Hohen Norden, wo seit Menschengedenken nur die Rentiere mit ihren Hirten durch die Tundra ziehen, schießen jetzt Häfen, Fördertürme und LNG-Terminals aus dem Boden. Die Behörden greifen hart gegen jeden durch, der sich der Industrialisierung in den Weg stellt. Die Ureinwohner, die ihr traditionelles Leben weiterführen wollen, müssen jetzt gleich gegen zwei übermächtige Gegner den Kampf aufnehmen: gegen das kapriziöse Klima, das ihre Rentiere dem Hungertod aussetzt, und gegen die Wirtschaftsinteressen der Rohstoffkonzerne.
Alte Musik • 22:00 – 22:30 Uhr • Deutschlandradio Kultur
Un leggiadro giovinetto
Georg Friedrich Händel in Rom
Von Martin Hoffmann
»In unserer Stadt ist ein Deutscher angekommen, ein ausgezeichneter Cembalospieler und Komponist, der heute seine Geschicklichkeit bewiesen hat, indem er die Orgel in der Kirche S. Giovanni spielte und allgemeines Erstaunen hervorrief.« So beschreibt der römische Chronist Francesco Valesio am 14. Januar 1707 Händels erstes öffentliches Auftreten in Rom. Händel traf bereits vor der Jahreswende 1706/07 in Rom ein und lernte hier als 21-Jähriger eine völlig andere Kunstwelt kennen, als er sie von Hamburg her gewohnt war. In Rom komponierte Händel Psalmvertonungen wie das außergewöhnliche ›Dixit Dominus‹ (HWV 232), Oratorien wie ›La Resurrezione‹ (HWV 47) und römische Kantaten wie ›Qual di riveggio‹ (HWV 150), die bekannte mythologische Erzählung über die in den Fluten des Hellespont begrabene Liebe zwischen Hero und Leander.
Mittwoch, 09. November 2016
Querköpfe • 21:05 – 22:00 Uhr • Deutschlandfunk
Kabarett, Comedy & schräge Lieder
Ausgezählt
Die Satireshow zur US-Wahl
Von Axel Naumer
Wenige Stunden nach Auszählung der Stimmen, kurz nachdem fest steht, ob der neue ›mächtigste Mann der Welt‹ eine Frau ist, am Abend eines langen Tages voller Bekenntnisse, Gratulationen, Einsichten und Entschuldigungen, verwandeln sich die ›Querköpfe‹ in ein kabarettistisches Wahlstudio. Wir bieten die schnellste Satire zur US-Wahl, haben die skurrilsten O-Töne aus der Nacht der Entscheidung, die seltsamsten Statements vom Morgen danach, die eigenartigsten Sieger- und Verliererporträts, verwirrende Grafiken, misslungene Interviews und auch sonst alles, was so eine Megawahl hörenswert macht. Nicht fehlen darf dabei der satirische Rückblick auf den Wahlkampf in den USA – oder, wie wir im gemäßigten Mitteleuropa sagen: die Schlammschlacht. Axel Naumer macht den Tag zur Nacht und präsentiert diese wahrscheinlich übermüdetsten ›Querköpfe‹ des Jahres.
Hörspiel • 21:30 – 22:30 Uhr • Deutschlandradio Kultur
Gegen den Tod
Nach ›Das Buch gegen den Tod‹ von Elias Canetti
Radiofassung und Regie: Hans Gerd Krogmann
Mit Samuel Finzi, Ingo Hülsmann, Ulrich Noethen, Friedhelm Ptok, Mathias Lange, Tatja Seibt, Gerd Warmeling, Lisa Hrdina, Max von Pufendorf und Eckhard Roelcke
DKultur 2016/ca. 59′
(Ursendung)
»Wir müssen böse sein, weil wir wissen, dass wir sterben. Wir wären noch böser, wenn wir von Anfang an wüssten, wann«, sagt der Philosoph. Neben ihm geben IchundEr, ein Historiker, ein Ungläubiger, eine Erzählerin, ein Ironiker, eine junge Frau, ein Künstler und ein Kind den zerstreuten und widersprüchlichen Aufzeichnungen Canettis eine Stimme. Elias Canetti begann inmitten des Zweiten Weltkrieges, als junger Mann, damit, seine Gedanken in Grotesken, Tiraden und fantastischen Aphorismen gegen den Tod aufzuschreiben. An diesem Buch schrieb er lebenslang, ohne es zu veröffentlichen.
Donnerstag, 10. November 2016
Historische Aufnahmen • 22:05 – 22:50 Uhr • Deutschlandfunk
Geheimtip unter Kennern
Der Dirigent Paul Kletzki (1900 – 1973)
Am Mikrofon: Norbert Hornig
Er begann als Wunderkind auf der Geige, auch als Komponist zeigte er früh eine vielversprechende Begabung. Paul Kletzki, 1900 im polnischen Łódź geboren, war ein musikalisches Multitalent, Arturo Toscanini und Wilhelm Furtwängler schätzten seine Werke. Kletzki hatte u.a. in Berlin studiert, seine Karriere geriet aus der Bahn, als er wegen seiner jüdischen Herkunft Deutschland verlassen musste. Kletzki gab das Komponieren zugunsten des Dirigierens auf und ließ sich 1947 in der Schweiz nieder. Er arbeitete fortan weltweit als Gastdirigent, feste Positionen übernahm er beim Liverpool Philharmonic Orchestra, dem Dallas Symphony Orchestra und dem Orchestre de la Suisse Romande als Nachfolger von Ernest Ansermet. Die Diskografie des Dirigenten ist überschaubar, bedeutend sind u.a. die von Produzent Walter Legge betreuten Aufnahmen für EMI und ein Beethoven-Sinfonienzyklus mit der Tschechischen Philharmonie.
Zeitfragen. Feature • 19:30 – 20:00 Uhr • Deutschlandradio Kultur
Wie das Gehirn entscheidet
Neue Erkenntnisse zur Willensfreiheit
Von Matthias Eckoldt
Bereits acht Sekunden bevor ein Proband die Entscheidung fällt, den Knopf in seiner linken oder in seiner rechten Hand zu drücken, wissen John-Dylan Haynes und seine Mitarbeiter am Bernstein Center for Computational Neuroscience, welche Handlung er ausführen wird. Welche Konsequenzen hat diese naturwissenschaftlich präzise und technologisch hochgerüstete Variante des Blicks in die Glaskugel für unser Selbstbild? Wie weit her ist es mit unserem freien Willen? Und wie weit hin noch bis zur Überwachung durch das Scannen der Gedanken?
Freitag, 11. November 2016
Das Feature • 20:10 – 21:00 Uhr • Deutschlandfunk
»Vielfach thöricht, muthwillig und schwärmerisch …«
Park Hunting mit Pückler
Von Kai-Uwe Kohlschmidt
Regie: der Autor
DLF 2016
Die für Hermann von Pückler und dessen Werk vielleicht wichtigste Reise führte ihn im Jahre 1826 nach England, Wales und Irland. Sein ausschweifender Lebensstil, aber vor allem die umfangreichen Landschaftsgestaltungen im Muskauer Park hatten ihn an den Rand des Ruins getrieben. Seine Frau Lucie entwarf einen selbstlosen Plan: eine Scheidung pro forma, auf dass der Fürst sich in England auf Brautschau begeben könnte. Eine reiche Witwe vielleicht, jemand von Stand, mit Sinn fürs Pittoreske, aber auch mit Toleranz für einen Freigeist. Denn obwohl er von Lucie geschieden war, blieben sie und Pückler doch ein Paar. Das viktorianische England reagierte ziemlich zugeknöpft. Die Presse verhöhnte ihn gar als ›Prince Pickle‹. Der Autor und sein Vater, lange Jahre Kustos in Pücklers Landschaftspark Branitz, reisen dem eigenwilligen Fürsten hinterher.
Zeitfragen. Literatur • 19:30 – 20:00 Uhr • Deutschlandradio Kultur
Selfpublishing
Kein Verlag? Do it yourself!
Von Ralph Gerstenberg
Bisher war der Selbstverlag vor allem das Eingeständnis des Scheiterns: Der Autor hatte keinen Verlag begeistern können und sein Buch selbst bezahlen müssen. Heute ist es durchaus möglich, mit einem selbst publizierten Buch ein breites Publikum zu erreichen und Geld zu verdienen. Der Weltbestseller ›Fifty Shades of Grey‹ von E. L. James, die Krimis von Nika Lubitsch und viele weitere Titel zeigen, dass sich die Verlagsbranche durch das Internet rasant verändert. In den USA stammt bereits ein Drittel aller Titel, die Amazon als E-Book verkauft, von Selfpublishern. Die traditionellen Verlage beobachten den Markt nicht nur, einige haben eigene Selfpublishing-Plattformen gegründet. Eine Sendung über erfolgreiche Selbstverleger, die Reaktionen von Verlagen und Buchhandlungen und neue Trends in der selbstpublizierten Literaturszene.
Samstag, 12. November 2016
Gesichter Europas • 11:05 – 12:00 Uhr • Deutschlandfunk
Dem Hass die Stirn bieten
Französische Frauen im Einsatz gegen den Dschihad
Reportagen von Suzanne Krause
Am Mikrofon: Ursula Welter
Die Terrormiliz ›Daesh‹, der sogenannte Islamische Staat, hat Frankreich den Kampf angesagt. Paris, Magnanville, Nizza, Saint-Etienne-du-Rouvray, die Terrorwelle hat alle Lebensbereiche, alle Regionen erfasst. Hunderte Menschen wurden getötet und verletzt, Tausende sind dauerhaft traumatisiert. Die Täter waren häufig Söhne Frankreichs. Und es sind junge Franzosen, die es in den Dschihad zieht. ›Gesichter Europas‹ trifft Frauen, die mit ihren Mitteln die Gewaltspirale stoppen wollen: Mütter, deren Söhne dem Terror zum Opfer fielen, engagieren sich. Psychologinnen setzen der Propaganda der Dschihadisten Aufklärung entgegen. Frauen stützen Heranwachsende in den Vorstädten, damit diese den Fanatikern nicht auf den Leim gehen.
Feature • 18:05 – 19:00 Uhr • Deutschlandradio Kultur
Krieg im Kopf
Sechs Kriegsveteranen in Washington, Denver, Berlin, Den Haag, London und Madrid
Von Lou Brouwers
Regie: Beatrix Ackers
DKultur 2016/ca. 54’30
(Ursendung)
Was sind entscheidende Ereignisse in einem Menschenleben? Eine Begegnung. Ein Verkehrsunfall. Die Geburt eines Kindes. Eine Krankheit. Ein Traum. Eine Naturkatastrophe. Die erste Liebe. Ein Krieg. Im Feature werden sechs Kriegsveteranen in sechs Städten interviewt. Darunter ein Irakveteran aus Denver, ein Vietnamveteran aus Washington und ein Afghanistanveteran aus Berlin. Der Autor möchte wissen, wie die Erfahrungen im Krieg ihr Leben verändert haben.
Sonntag, 13. November 2016
Freistil • 20:05 – 21:00 Uhr • Deutschlandfunk
Zukunftsmusik
Wie die Musik von morgen heute klingt
Von Olaf Karnik und Volker Zander
Regie: Thomas Wolfertz
DLF 2016
Das 20. Jahrhundert war voll von musikalischen Zukunftsvisionen: Der italienische Futurismus imaginierte eine Musik der Zukunft aus Lärm und Maschinenklängen, in der Neuen Musik von Stockhausen und Xenakis oder in der französischen Avantgarde-Elektronik kreierte man Klangsprachen für das 21. Jahrhundert. Auch im afro-futuristischen Jazz eines Sun Ra, bei Kraftwerk und im Krautrock oder im Falle von Detroit Techno und Drum & Bass war die Zukunft das Maß aller musikalischen Dinge. Was ist von diesem Spirit im 21. Jahrhundert übrig geblieben, welche Zukünfte werden heute klanglich und programmatisch heraufbeschworen? Welche Zukunftsentwürfe sind eingetreten, welche haben sich erledigt? Ein Streifzug durch die Geschichte und Gegenwart von Zukunftsmusik und ihrer soundästhetischen Entwürfe.
Kakadu für Frühaufsteher • 07:30 – 08:00 Uhr • Deutschlandradio Kultur
Erzähltag
Ich weiß nicht, warum Du weinst … Gedichte vom Traurigsein
Von Karin Hahn
Gelesen von Ole Lagerpusch
DKultur 2016
Moderation: Patricia Pantel
(Ursendung)
»Manchmal will ich nichts hören und sehen, manchmal will ich nur traurig sein …«, so dichtet Manfred Mai. Wenn man selbst traurig ist oder beobachtet, dass andere Menschen sich einsam fühlen, allein sind, enttäuscht sind oder auch wütend vor Traurigkeit, dann gibt es dafür viele Gründe und daraus entsteht dann Lyrik. Auch für Kinder gehört Traurigkeit zum Leben dazu. Und sie brauchen sich für ihre Traurigkeit nicht zu schämen, denn jeder Mensch ist einmal traurig. Denn sie wissen, jetzt bin ich traurig, aber morgen bin ich bestimmt wieder froh. Alles ums Traurigsein in den Gedichten von Rainer Maria Rilke, Manfred Mai, Arne Rautenberg oder Christine Nöstlinger.