Hörspiel „Das Schweigen“ Von Nathalie Sarraute
Eine munter schwätzende Gesellschaft. Der einzige, der vielleicht wirklich etwas zu sagen hätte, schweigt. Die übrigen sind bemüht, ihn zum Reden zu bewegen. Einer der beredten Männer, der sich durch das Schweigen angegriffen fühlt, wird von den Frauen aufgefordert, es zu brechen, und sei es über Beleidigungen.
„Ich schrieb Hörspieldialoge (sie entstanden für den Stuttgarter Rundfunk) und stellte mir dabei keine Person vor. Diese Dialoge sind nicht realistisch … In meinen Romanen gibt es die ›Unterkonversation‹, das Nichtgesagte, und dann, klar davon unterschieden, das ausgesprochene Wort. Eine solche Trennung war in diesem Medium nicht möglich, und so habe ich die Unterkonversation in den Dialog selber hineingenommen. Das Unbehagen, das in ›Das Schweigen‹ ausgedrückt wird, ist ein Ereignis unter dem Mikroskop.“ Nathalie Sarraute
Sprechen heißt innerhalb dieser Gesellschaftsschicht, sich mit gängigen Floskeln und Gesprächsschablonen der Konvention einzupassen; Sprache ist Verkehrsmittel, funktional, nichts weiter. Die Übereinkunft der Redenden durch das Schweigen in Frage zu stellen, heißt darum: der Gesellschaft den Boden unter den Füßen wegziehen.
Und in der Tat stellen sich eine tiefe Unsicherheit, Schwindel, Angst bei allen ein. Doch plötzlich beteiligt sich Jean-Pierre durch eine Frage wieder am Gespräch …
Das Schweigen
Hörspiel von Nathalie Sarraute. Aus dem Französischen von Elmar Tophoven
Mit: Wili Trenk-Trebitsch, Horst Köhnke, Ruth Hellberg u. a.
Regie: Heinz von Cramer
(Produktion: SWF/WDR 1966)