Hörspiel: „Gift“ von Lot Vekemans
Eindringliches Kammerspiel in existenzieller Grundsituation, das unter die Haut geht. Ein Mann und eine Frau auf der Suche nach sich und ihrer verloren gegangenen Liebe.
Nach mehr als zehn Jahren kommt ein ehemaliges Ehepaar zusammen, an dem Ort, wo ihr Kind begraben liegt. Sie haben nach der Scheidung unterschiedliche Wege eingeschlagen, mit dem Tod ihres Kindes umzugehen. Der Mann ist weggegangen, hat versucht, ein neues Leben zu beginnen, ist eine neue Beziehung eingegangen, wird bald ein neues Kind bekommen. Die Frau ist geblieben, im gemeinsamen Haus, hat sich einsam der Trauer überlassen und kann den Gedanken an Veränderung nicht ertragen.
Der Anlass des Treffens ist ein Brief, in dem die Umbettung des Kindes angekündigt wird. Im Boden des Friedhofs wurde Gift gefunden. Zum ausgemachten Zeitpunkt lässt sich von der Friedhofsverwaltung niemand blicken. Das getrennte Elternpaar wird mit sich allein gelassen.
Der Hörer wird Zeuge einer unsicher tastenden Suchbewegung zweier Menschen, die erst ein Kind verloren haben, dann sich selbst und dann einander; auf der Suche nach der Möglichkeit, die Vergangenheit zu akzeptieren, in gemeinsamer Erinnerung Ruhe zu finden, Vertrautes wieder zuzulassen.
„Gift“ von Lot Vekemans
Mit: Dagmar Manzel (Sie) und Robert Gallinowski (Er)
Aus dem Niederländischen von Eva Pieper und Alexandra Schmiedebach
Musik: Daniel Dickmais
Hörspielfassung nach ihrem gleichnamigen Theaterstück: Lot Vekemans
Tontechnik: Holger König und Christian Grund
Regie: Ulrich Gerhardt
Produktion: MDR 2012
© SRF 2, Hörspiel, 8.4.2018