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Hörspiel „Scardanelli“ Von Stephan Hermlin

In seiner zweiten Lebenshälfte wird Friedrich Hölderlin, wegen einer schweren psychischen Erkrankung als unheilbar eingestuft, in Tübingen bei der Familie des Schreinermeisters und Hölderlin-Bewunderers Ernst-Friedrich Zimmer in Pflege genommen und bewohnt eine Turmstube oberhalb des Neckars.

Mit dem Namen Scardanelli unterzeichnet der kranke Friedrich Hölderlin ein Gedicht, das er für seinen Besucher Waiblinger schreibt.

In zarten Skizzen, in die Zitate aus Dichtungen und Dokumenten von Hölderlin und Materialien über ihn montiert werden, beschwört Stephan Hermlin die als wesentlich empfundenen Stationen aus Hölderlins Leben und die menschenferne Existenz des Kranken: die verständnislose Haltung Goethes, unter dessen Einfluss sich das anfängliche Interesse Schillers für seinen Landsmann abschwächt; die demütigende Hauslehrerzeit; die Trennung von Suzette Gontard, die beide nicht heil überstehen; die schwäbische Revolution, ihr Scheitern, ihr Niederschlag im Hyperion; die fruchtlose Reise nach Frankreich, die Festnahme des verratenen Freundes Sinclair und die eigene gewaltsame Verschleppung in eine Klinik.
Als gemeinsamer Nenner aller zitierten Episoden kristallisiert sich die Zurückweisung heraus, die Hölderlin erfährt, was und wo er auch beginnt. Es ist die Tragik des Dichters, den zu seiner Zeit niemand verstehen kann. Ohne erkennbaren Kontakt zu seiner Umwelt, verbringt er seine Jahre in der Stube beim Tischlermeister Zimmer. Der späte Erfolg seiner Dichtung erreicht ihn nicht mehr.


 

(http://xb4160.xb4.serverdomain.org/Musik/Scardanelli.mp3)


„Scardanelli“ Von Stephan Hermlin

Komposition: Kurt Herrlinger
Regie: Oswald Döpke
Mit Hannelore Elsner, Margot Leonard, Marianne Mosa, Marlene Riphahn, Karin Schmitz, Gerd Baltus, Rudolf Jürgen Bartsch, Lothar Ostermann, Christoph Quest, Günther Sauer, Raoul Wolfgang Schnell, Siegfried Wischnewski, Cay-Michael Wolf

Produktion: WDR 1970

© Deutschlandfunk, Hörspiel, 5.6.2018

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