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Hörspiel Schorsch Kamerun: Ein Menschenbild, das in seiner Summe null ergibt

Einen Schritt vortreten. Vor das Bild. Vor die Kulisse. Etwas lauter sein müssen, aber allein. Selbstdarstellung – ohne Publikum. Entregelt. Absaufen in Details. Schorsch Kamerun wählt in seinem Stück den Pointillismus als biografische Methode und lässt Menschen auftreten, die eine dunkle Kammer in ihrem Leben öffnen.

Um heraus zu finden, ob es uns noch möglich ist, nach Wünschen zu handeln – oder ob wir ausschließlich auf Angebote reagieren. Ein Spiegel der Lebens- und Arbeitswelt, die mit ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen und Sozialbedingungen moderne Menschen zu unglücklich Suchenden werden lässt. Wie den jungen Mann, der seit der Trennung von seiner Freundin einen Zähltick hat. Die Frau, deren Blumen besser gedeihen, wenn sie selbst nicht zu Hause ist. Den Kommunalpolitiker, der eine renitente Riesenschildkröte auf Galapagos als Vorbild für sein Denken und Planen erwählt hat. Sie alle gewähren bestürzende Einblicke, erlauben beruhigende Vergleiche, beschleunigt durch Songs von Schorsch Kamerun. „Dieses irritierende Stück Gesellschaftskritik überzeugte in der Radikalität der Aussage und dem souveränen Gebrauch des Mediums Radio.“ (Jurybegründung zum Hörspielpreis der Kriegsblinden 2007)

Ein Menschenbild, das in seiner Summe null ergibt
Von Schorsch Kamerun
Mit Fabian Hinrichs, Mila Dargies, Daniel Lommatzsch, Susanne Jansen, Lena Hiebel und anderen
Komposition und Regie: Schorsch Kamerun
WDR 2006

Schorsch Kamerun, geb. 1963, Autor Musiker, Sänger der „Goldenen Zitronen“. Weitere Hörspiele u.a. „Eisstadt“ (WDR 2005), „Kann mir nicht vorstellen, dass es weitergeht“ (WDR 2012).

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