Hörspiel „Vertigo“ Aus dem Reich der Toten
Seit einer Verfolgungsjagd über die Dächer von Paris leidet der ehemalige Polizist Roger Flavières unter akuter Höhenangst. Damals stürzte vor seinen Augen ein Kollege in die Tiefe. Jahre später wird Flavières – mittlerweile Privatdetektiv – von einem ehemaligen Schulfreund beauftragt, dessen Frau zu beschatten.
Vom ersten Moment an ist er von der schönen, jungen Frau fasziniert. Aber Madeleine umgibt ein schreckliches Geheimnis. Eine Tote scheint von ihr Besitz ergriffen zu haben. Diese Tote, Pauline Lagerlac, hatte sich als junge Frau umgebracht. Und auch Madeleine wird immer wieder von dem unwiderstehlichen Drang überfallen, sich umzubringen. Flavières weicht deshalb nicht mehr von ihrer Seite.
Bei einem Ausflug aber entkommt sie ihm und läuft die Treppenstufen eines Kirchturms hinauf. Flavières kann ihr nicht folgen und das Unglück scheint seinen Lauf zu nehmen …
Aus dem Reich der Toten
Von Pierre Boileau und Thomas Narcejac
Mit Matthias Scherwenikas, Alexander Radszun, Patrycia Ziolkowska
Bearbeitung und Regie: Regine Ahrem
Komposition: Michael Rodach
Produktion: rbb 2018
Ursendung
© RBB kulturradio, Hörspiel, 29.7.2018
Vertigo – vom Roman zum Film zum Hörspiel
Das Hörspiel basiert auf der Romanvorlage „Aus dem Reich der Toten“ („D’entre les morts“ des Autorenduos Pierre Boileau und Thomas Narcejac. Sie galten in den 50er und 60er Jahren als Meister ihres Fachs und haben zusammen Dutzende von psychologisch sehr raffinierten Kriminalromanen geschrieben, von denen einige auch verfilmt wurden.
Zur Berühmtheit gelangten sie zweifellos mit „D’entre les morts“, der 1958 unter dem Titel „Vertigo“ von Alfred Hitchcock verfilmt wurde. In der Geschichte um eine Frau, die von den Toten besessen zu sein scheint und nach deren Selbstmord der Protagonist selbst eine Obsession für eine Tote entwickelt, hatte Hitchcock sein Thema gefunden.
Es entstand ein für die damaligen Verhältnisse geradezu experimenteller, zwischen Realität und Illusion permanent changierender Film, der auf den Zuschauer eine tatsächlich schwindelerregende Wirkung hat – nicht zuletzt auch wegen des damals zum ersten Mal von Hitchcock eingesetzten optischen „Vertigo“-Effektes.
Von der Kritik wurde der Film damals verhalten aufgenommen, auch weil er sich einem Happy End verweigert. Heute gilt „Vertigo“ unbestritten als eines der Meisterwerke Hitchcocks. Und eine internationale Kritikerjury wählte den Film 2012 zum besten Film aller Zeiten überhaupt.
Der Romanvorlage entsprechend ist der Schauplatz des Geschehens im Hörspiel nicht San Francisco sondern das Paris der 50er Jahre. Aus Judy (alias Kim Novak) wurde Renée und aus Scottie (alias James Stewart) Roger Flavières.
Auch wurde vieles entrümpelt und gestrafft, Szenisches in Akustisches übersetzt und vor allem natürlich wurde an einer behutsamen Modernisierung des doch sehr altbackenen Frauenbildes gearbeitet. Es war eine reizvolle Herausforderung, den optischen Schwindel, den der Film erzeugt, in Töne zu übertragen. Der Komponist Michael Rodach hat hier mit seinen suggestiven Sounds zweifellos eine faszinierende Antwort gefunden.
Regine Ahrem, kulturradio