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„Ikone der Hippies – und Verächter der Hippies“ Jack Kerouac zum 100. Geburtstag

Jack Kerouacs „On The Road“ inspirierte zwar die Hippies. Diese blieben ihm aber fremd. „Er war gegen alle Jugendbewegungen“, sagt John Wray, Autor des Nachworts zur deutschen Neuausgabe von „Engel der Trübsal“. John Wray im Gespräch mit Frank Meyer.

Jack Kerouac war ein Abenteurer, ein schwerer Trinker und vor allem ein sehr einflussreicher Autor: Sein Tramper-Roman „On the Road“ war ein Riesenerfolg und hat die Hippie-Bewegung maßgeblich inspiriert. 1969, dem Jahr, in dem die Hippie-Kultur mit dem Woodstock-Festival einen Höhepunkt feierte, ist Kerouac mit nur 47 Jahren gestorben.Geboren wurde der Beat-Autor am 12. März vor hundert Jahren, weshalb nun, erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt, der autobiografische Roman „Engel der Trübsal“ erscheint. Er erzählt von einer entscheidenden Zeit in Kerouacs Leben – der Zeit kurz vor der Veröffentlichung von „On the Road“ im September 1957. 

Der Anti-Hippie

Der amerikanisch-österreichische Schriftsteller John Wray hat ein Nachwort für die deutsche Ausgabe „Engel der Trübsal“ verfasst. Er hebt das angespannte Verhältnis von Kerouac mit denen hervor, die sein Buch aufsaugten: „Er war ganz gegen alle möglichen Jugendbewegungen, auch gegen die Hippies“, sagt Wray. „Obwohl er selber so ein Held der Hippie-Bewegung wurde, wollte er persönlich gar nichts damit zu tun haben. Er fühlte sich sogar persönlich angegriffen.“In den letzten Jahren seines Lebens, geprägt von Paranoia und seiner Alkoholsucht, sei Kerouac immer reaktionärer geworden. „Ab und zu hat man ihn im Fernsehen sehen können, wie er sich deutlich für den Krieg in Vietnam äußert. Er hat sich ziemlich begeistert gezeigt für diese eher konservative Vorstellung von den Vereinigten Staaten, von Amerika als Weltmacht.“ Das widerspricht dem Bild von Kerouac in der Öffentlichkeit, wo er als ewiger Rebell gefeiert wurde, als Vorbild all jener, die aus Konvention ausbrechen.




© Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 11.3.2022

2 Gedanken zu „„Ikone der Hippies – und Verächter der Hippies“ Jack Kerouac zum 100. Geburtstag

  • ach wie gut, daß es damals kein internet gab 😉

    als hippe konnte man ihn ahnungslos lieben …

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  • portfuzzle

    So kann man es auch sagen 😉 Sein Ende bei der verhassten Mutter sagt sehr viel über ihn aus. Das wusste ich allerdings auch erst viel später…

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