Terri Lyne Carrington – Jazz von Frauen: Bluenotes ohne Patriarchat
US-Drummerin Terri Lyne Carrington behebt einen alten Missstand und veröffentlicht ein Notenbuch und Album mit Songs, die Jazzerinnen komponierten. Von Sophie Emilie Beha.
An welchen Song denken Sie beim Thema Jazzstandard? Ist es „All of Me“, „Fly me to the Moon“ oder doch lieber „Summertime“? Egal, denn all diese Stücke – und auch so gut wie alle anderen Jazzstandards – stammen von Männern. Das ist auch der US-Künstlerin Terri Lyne Carrington aufgefallen, als sie die Jazz-Bibel, das sogenannte „Real Book“, eine Sammlung auf Noten transkribierter Jazzsongs, nach Werken von Frauen durchsucht hatte und nur selten fündig wurde. Nur, es gibt viel mehr Songs von Musikerinnen.
Carringtons ehrgeiziges neues Projekt „New Standards“ will diesen Missstand ändern. Die 57-jährige US-Jazzdrummerin hat gerade dieses so betitelte Notenbuch veröffentlicht – ausschließlich mit Werken von Komponistinnen. Und das ist noch nicht alles: Daneben hat sie auch ein Album mit elf Stücken aus dem Songbook herausgebracht, eingespielt von lauter Jazzstars, und bis Ende November gibt es dazu auch eine Multimedia-Ausstellung im Carr Center in Detroit.
© TAZ, Kultur, Musik, 28.10.2022