Jazzfest Berlin 2023: Licht im Taktdickicht
Einige Konzerte auf dem diesjährigen Berliner Jazzfest wirkten fade und einschläfernd – aber Henry Threadgills Auftragskomposition „Simply Existing Surface“ stach heraus und begeisterte Musiker wie Publikum. Von Tobias Lehmkuhl.
Gleich im ersten Takt winkt Henry Threadgill wieder ab: „Pianissimo“, sagt er. José Davila, der Tubist, hat nicht verstanden, hält die Hand ans Ohr, Threadgill wiederholt die Anweisung und hebt die Stimme dabei um einen halben Dezibel, als widerstrebe es ihm, laut „pianissimo“ zu sagen. Dann geht die Probe weiter.
Es ist der Tag vor der Uraufführung von „Simply Existing Surface“, einer Auftragskomposition für das Jazzfest Berlin, und noch sitzt nicht alles richtig. Kein Wunder, denn zwei eigenständige Bands müssen erst zusammenfinden: Threadgills eigenes Quintett Zooid und Potsa Lotsa XL, das zehnköpfige Ensemble der Berliner Saxophonistin Silke Eberhard.
© FAZ, Feuilleton, 7.11.2023