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Jazzprojekt „London Brew“: Was für ein hinreißendes Hexengebräu

Voodoo in der Kirche: Die besten britischen Jazzmusiker haben sich für das Projekt „London Brew“ zusammengetan, um an ein epochales Album von Miles Davis anzuknüpfen. Von Peter Kemper.


Im Malstrom der Sounds schienen die Geräusche der Großstadt mit Autohupen und lärmenden Menschen widerzuhallen. Die pulsierenden elektronischen Klänge verdichteten sich beim Zuhörer zu einem fremden, fast brutalen musikalischen Bild. Das Album „Bitches Brew“ kann heute als Zusammenfassung und gleichzeitige Überschreitung einer zu Ende gehenden Epoche verstanden werden. Die Musik klingt locker und festgefügt zugleich, eine lebende, atmende Komposition – mit drei Keyboards, drei Perkussionisten, Akustik- und E-Bass, Sopransaxophon und Bassklarinette.



Miles Davis verwirklichte hier seine Idee von der Komposition als Prozess ihrer Performance. Gleichwohl wirkte „Bitches Brew“ 1970 auf viele Davis-Fans wie ein Schlag ins Gesicht. Das war kein traditionsgesättigter Jazz mehr, sondern glich einem musikalischen Ritual mit afrikanischen Wurzeln. Auch Jimi Hendrix und Sly Stone begriffen damals ihre Musik als eine Art Ritual und sich selbst als Schamanen – Miles Davis aber sah sich als der größte Voodoo-Priester von allen.




© FAZ, Feuilleton, 12.4.2023

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